Es gibt Frauen, die nicht aufhören können. Und es gibt Frauen, die nicht anfangen können.
Die einen funktionieren. Sie erledigen, organisieren, halten alles zusammen. Ist eine Aufgabe fertig, fällt ihnen die nächste ein. Selbst im Urlaub arbeitet der Kopf weiter.
Die anderen wissen genau, was zu tun wäre. Das Angebot ist fertig, der Text steht, der neue Preis ist kalkuliert. Und trotzdem passiert nichts. Stattdessen wird noch einmal überarbeitet, recherchiert, verschoben.
Und manchmal sind das dieselben Frauen. Je nachdem, um welche Aufgabe es geht.
Ständiges Funktionieren und Aufschieben sehen aus wie Gegensätze. Oft haben sie aber eine gemeinsame Wurzel: Tun – oder Nicht-Tun – erfüllt eine Aufgabe, die mit der eigentlichen Arbeit wenig zu tun hat. Es schützt vor etwas, sichert Anerkennung oder hält ein Gefühl fern. Deshalb hilft mehr Disziplin bei beidem so wenig. Hilfreicher ist die Frage, was passiert, wenn du es tust – oder wenn du aufhörst.
In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie ich auf Leistung und Umsetzung schaue.
Leistung ist nicht das Problem
Ich möchte das gleich am Anfang sagen: Ich halte nichts davon, Leistung schlechtzureden. Etwas erreichen zu wollen, ein Business aufzubauen, stolz auf das zu sein, was du geschaffen hast – daran ist nichts falsch.
Ich möchte dir deine Leistungsfähigkeit nicht wegcoachen.
Mich interessiert, wie frei du darin bist. Kannst du viel arbeiten, weil du dich dafür entscheidest? Oder fühlt es sich an, als müsstest du? Kannst du einen Tag wenig schaffen, ohne dass sich dein Blick auf dich selbst verändert?
Der Unterschied liegt nicht darin, wie viel du tust. Sondern darin, was passiert, wenn du es nicht tust.
Die eine Seite: Immer funktionieren müssen
Vielleicht bist du diejenige, auf die man sich verlassen kann. Wenn viel los ist, läufst du zur Hochform auf. Krisen managst du. Verantwortung übernimmst du selbstverständlich.
Nur mit dem Aufhören wird es schwierig.
Du setzt dich am freien Nachmittag kurz an den Laptop und sitzt drei Stunden später immer noch dort. Du willst Feierabend machen und beantwortest noch schnell eine Nachricht. Und wenn wirklich einmal nichts ansteht, findest du zuverlässig etwas, das noch erledigt werden könnte.
Viele Frauen beschreiben mir das als ein Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Für die Kundinnen, für die Familie, für alle.
Warum eine Pause anstrengender sein kann als Arbeit
Arbeit gibt Struktur. Du weißt, was zu tun ist, du kommst voran, du siehst, was du geschafft hast. In einer Pause fällt all das weg.
Und dann kann es unruhig werden. Gedanken tauchen auf, für die vorher kein Platz war. Du bekommst ein schlechtes Gewissen, wenn du nichts tust. Oder du merkst erst jetzt, wie erschöpft du eigentlich bist.
Dann ist Weiterarbeiten tatsächlich leichter als Nichtstun. Mehr dazu in „Warum eine Pause manchmal anstrengender ist als Arbeiten“.
Wenn der Kopf nicht abschalten kann
Manchmal hört der Körper auf zu arbeiten, aber der Kopf nicht. Beim Abendessen, im Bett, im Urlaub. Dein Kopf hält Wache, damit nichts übersehen wird.
Das ist nachvollziehbar, wenn viel an dir hängt. Spannend wird es dort, wo diese Wache nie Feierabend hat. Darüber schreibe ich in „Nicht abschalten können: Wenn dein Kopf nach Feierabend weiterarbeitet“.
Die andere Seite: Nicht ins Tun kommen
Und dann gibt es die Momente, in denen du einfach nicht anfängst.
Du weißt, was dran wäre. Die Mail müsste raus. Das Angebot könnte online gehen. Der Preis müsste endlich angepasst werden. Und trotzdem recherchierst du noch einmal, optimierst eine Kleinigkeit oder kümmerst dich plötzlich um etwas ganz anderes.
Von außen nennt man das Aufschieben, Prokrastination oder fehlende Disziplin. Manchmal stimmt das sogar. Aber es sagt nichts darüber, warum gerade dieser Schritt so schwer ist.
Was würde passieren, wenn du es wirklich tust?
Vielleicht würde sichtbar, was du kannst. Vielleicht könntest du scheitern. Vielleicht hättest du aber auch Erfolg – und Erfolg würde bedeuten, dass sich etwas verändert. Dass du dich zeigen, einen höheren Preis vertreten, mehr Verantwortung übernehmen oder Erwartungen enttäuschen müsstest.
Vielleicht ist die Aufgabe selbst gar nicht das Schwierige. Vielleicht ist es das, was danach kommen könnte.
Mehr dazu in „Du weißt, was du in deinem Business tun müsstest – warum tust du es trotzdem nicht?“
Perfektionismus und die Angst vor Sichtbarkeit
Eine besondere Form des Nicht-Anfangens ist der Perfektionismus. Der Text ist fast fertig, aber eben nur fast. Das Angebot ist gut, aber noch nicht gut genug.
Solange du noch feilst, kann niemand es bewerten. Deshalb hängt Perfektionismus so oft mit der Angst vor Sichtbarkeit zusammen. Er ist nicht einfach ein hoher Anspruch. Er ist ein Schutz.
Was beide Seiten verbindet
Ob du nicht aufhören kannst oder nicht anfangen kannst: In beiden Fällen passiert etwas, das du mit dem Kopf so eigentlich nicht willst. Und in beiden Fällen hilft der übliche Rat erstaunlich wenig.
Mehr Disziplin? Hast du wahrscheinlich genug, sonst wärst du nicht so weit gekommen. Besseres Zeitmanagement? Kennst du vermutlich alles. Ein neues Tool? Liegt wahrscheinlich schon ungenutzt in deinem Browser.
Dein Verhalten ist nicht das Problem. Es ist der Hinweis.
Der Hinweis darauf, dass Tun oder Nicht-Tun für dich etwas erfüllt, das über die Aufgabe hinausgeht.
Die vier Blickwinkel auf Leistung und Umsetzung
In meinem Grundlagenartikel über kindheitliche Prägungen schreibe ich über vier Themenbereiche: Vertrauen, Versorgung, Autonomie und Leistung. Beim Thema Umsetzung begegnen mir alle vier – nicht nur Leistung.
Wie immer gilt: Das sind keine Schubladen. Sie helfen nur, genauer hinzuschauen.
Leistung: Ich bin gut, wenn ich etwas schaffe
Kinder wollen lernen und Dinge selbst schaffen. Und sie erleben Reaktionen darauf: Freude, Lob, Kritik, Vergleich. Spannend wird es dort, wo Leistung sich irgendwann mit etwas anderem verbindet: mit Anerkennung, Zugehörigkeit, dem Gefühl, wertvoll zu sein.
Dann kann aus „Ich freue mich, dass ich etwas geschafft habe“ irgendwann „Ich bin gut, wenn ich etwas schaffe“ werden. Und dann fühlt sich jede Pause an, als würdest du etwas davon verlieren. Und jeder Fehler, als würde er mehr über dich sagen als über die Sache.
Vertrauen: Wenn ich nicht aufpasse, geht etwas schief
Manche Frauen arbeiten nicht aus Ehrgeiz weiter, sondern aus Vorsicht. Solange sie alles im Blick behalten, kann nichts passieren. Aufhören fühlt sich an wie Kontrollverlust.
Wer früh erlebt hat, dass auf andere nicht immer Verlass war, für den kann ständiges Funktionieren eine Art Sicherheit sein.
Versorgung: Für meine Bedürfnisse ist gerade kein Platz
Vielleicht hast du früh gelernt, dass es einfacher ist, selbst klarzukommen. Dass für deine Bedürfnisse wenig Platz war. Dann ist es heute vielleicht ganz selbstverständlich, für alle anderen zu funktionieren und dich selbst hintanzustellen.
Darüber schreibe ich auch in „Warum kann ich nicht Nein sagen?“.
Autonomie: Wenn ich mich festlege, bin ich festgelegt
Und manchmal geht es beim Aufschieben um Autonomie. Solange etwas nicht veröffentlicht ist, ist noch alles offen. Sobald es draußen ist, hast du dich festgelegt – mit deinem Preis, deinem Angebot, deiner Meinung. Und dann könnten andere es nicht gut finden.
„Aber ich bin doch einfach ehrgeizig“
Vielleicht bist du das. Vielleicht liebst du deine Arbeit und willst gar nicht weniger tun.
Dann musst du das nicht.
Mir geht es nicht darum, aus leistungsstarken Frauen Menschen zu machen, die um drei den Laptop zuklappen und meditieren. Es geht um Wahlfreiheit: ob du arbeiten kannst, ohne arbeiten zu müssen. Ob du anfangen kannst, ohne dass es perfekt sein muss. Und ob du aufhören kannst, ohne vorher genug geleistet haben zu müssen.
Warum Entspannungstechniken allein oft nicht reichen
Meditieren, Sport, Digital Detox, feste Arbeitszeiten. Vieles davon kann guttun, und du darfst dir davon nehmen, was dir hilft.
Nur passiert dabei manchmal etwas Absurdes: Auch Entspannen wird zur Aufgabe. Dann meditierst du mit dem Anspruch, es richtig zu machen. Und wenn es nicht klappt, hast du eben auch das nicht geschafft.
Ich würde deshalb nicht noch eine Methode hinzufügen, sondern lieber fragen: Was befürchtest du, würde passieren, wenn du wirklich aufhörst? Oder: Was würde passieren, wenn du es heute wirklich tust?
Wie ich mit Leistung und Umsetzung arbeite
In meiner Arbeit beginnen wir nicht mit dem nächsten Plan. Wir beginnen mit dem Moment, in dem es hakt. Mit dem Impuls, aufzustehen, wenn du eigentlich sitzen bleiben wolltest. Oder mit der Unruhe, die kommt, wenn du auf „Veröffentlichen“ klicken willst.
Dort schauen wir genauer hin: Was spürst du? Was befürchtest du? Und welche Geschichte gehört dazu?
Dafür nutze ich das Gespräch und Methoden aus meinem Werkzeugkoffer, unter anderem Hypnose. Welches Werkzeug es wird, sehe ich erst in der Sitzung: Manchmal braucht es einen Hammer, manchmal einen Schraubendreher und manchmal nur einen Nagel.
Und noch ein Hinweis: Wenn du über lange Zeit erschöpft bist, schlecht schläfst oder dein Körper deutliche Signale sendet, lass das bitte ärztlich abklären. Coaching ersetzt keine medizinische Untersuchung.
Woran du merkst, dass sich etwas verändert
Veränderung ist oft leise. Du klappst den Laptop zu und bleibst sitzen. Du veröffentlichst einen Beitrag, obwohl der letzte Satz noch nicht perfekt ist. Du machst eine Pause, obwohl noch etwas auf der Liste steht – und es fühlt sich nicht falsch an.
Und manchmal merkst du es nur daran, dass du eine Wahl hast, wo vorher ein Automatismus war.
Drei Frauen, derselbe freie Nachmittag
Stell dir drei selbstständige Frauen vor. Alle drei haben sich einen freien Nachmittag genommen. Und alle drei sitzen eine Stunde später wieder am Laptop.
Die erste hat das Gefühl, sich die Pause noch nicht verdient zu haben. Erst wenn die Liste leer ist, darf sie aufhören. Die Liste ist nie leer. Bei ihr könnte Leistung eine Rolle spielen.
Die zweite wird unruhig, wenn sie nicht weiß, was in ihren Mails passiert. Was, wenn eine Kundin etwas Dringendes braucht und sie es nicht mitbekommt? Bei ihr könnte es um Vertrauen gehen: die Frage, ob die Dinge auch ohne ihre Kontrolle gut gehen.
Die dritte merkt, dass in der Ruhe ein Gefühl hochkommt, das sie lieber nicht spüren möchte. Erschöpfung vielleicht, oder Traurigkeit. Arbeiten lenkt ab. Bei ihr könnte etwas ganz anderes darunterliegen, vielleicht Versorgung: dass für ihre eigenen Bedürfnisse lange kein Platz war.
Von außen sehen alle drei gleich aus: eine Frau, die ihre Pause nicht nimmt. Innen erzählen sie drei verschiedene Geschichten.
Dasselbe Weitermachen. Drei verschiedene Gründe.
Was du heute schon beobachten kannst
Du musst nicht sofort anders arbeiten. Vielleicht kannst du eine Woche lang einfach beobachten:
Was passiert, wenn du aufhören willst? Welcher Gedanke kommt, welches Gefühl?
Welche Aufgabe schiebst du schon am längsten? Und was würde sich verändern, wenn sie erledigt wäre?
Wann hast du zuletzt etwas getan, nur weil es dir Freude macht, ohne dass dabei etwas herauskommen musste?
Es geht nicht darum, ab morgen alles anders zu machen. Es geht darum, zu bemerken, was bisher automatisch passiert ist.
Häufige Fragen zu Leistung und Umsetzung
Warum kann ich nicht abschalten, obwohl ich frei habe?
Oft, weil Weiterdenken eine Aufgabe erfüllt: vorbereitet sein, nichts übersehen, die Kontrolle behalten. Wenn viel an dir hängt, ist das verständlich. Wenn diese Wache aber nie Feierabend hat, lohnt sich die Frage, was du befürchtest, würde passieren, wenn du wirklich abschaltest. Halten Schlafprobleme oder Erschöpfung lange an, lass das bitte ärztlich abklären.
Hat Prokrastination ihre Ursache in der Kindheit?
Manchmal. Nicht jedes Aufschieben hat mit früheren Erfahrungen zu tun. Aber wenn du dieselbe Art von Schritt immer wieder aufschiebst, obwohl du genau weißt, was zu tun wäre, kann es sich lohnen zu fragen, was du dabei gelernt hast: über Fehler, über Sichtbarkeit, über Erfolg und über das, was passiert, wenn du dich festlegst.
Wie lege ich meinen Perfektionismus ab?
Ich würde ihn zuerst verstehen, bevor ich ihn ablege. Perfektionismus ist oft ein Schutz, zum Beispiel vor Kritik oder davor, angreifbar zu sein. Wenn du weißt, wovor er dich schützt, musst du ihn nicht mehr bekämpfen. Dann darf dein Anspruch bleiben, ohne die ganze Arbeit machen zu müssen.
Ist es schlecht, viel zu arbeiten?
Nein. Du darfst dein Business lieben und viel arbeiten. Mich interessiert nur, ob du auch aufhören kannst. Der Unterschied liegt nicht darin, wie viel du arbeitest, sondern darin, ob du eine Wahl hast.
Was ist der Unterschied zu Zeitmanagement oder Business-Coaching?
Zeitmanagement und Business-Coaching helfen dir, wenn dir Wissen oder Struktur fehlt. Ich arbeite mit Frauen, die beides längst haben und trotzdem immer wieder an derselben Stelle hängen bleiben. Mich interessiert, warum das so ist – und was dein Tun oder Nicht-Tun für dich bisher erfüllt hat.
Weiterlesen
Warum eine Pause manchmal anstrengender ist als Arbeiten
Nicht abschalten können: Wenn dein Kopf nach Feierabend weiterarbeitet
Du weißt, was du in deinem Business tun müsstest – warum tust du es trotzdem nicht?
Wenn du dich hier wiedererkennst
Du musst nicht wissen, was hinter deinem Funktionieren oder deinem Aufschieben steckt. Es reicht, dass du merkst: Das passiert immer wieder, obwohl ich es anders möchte.
Auf meiner Seite Leistung & Umsetzung erfährst du, wie ich mit solchen Mustern arbeite.
