Leistung & Umsetzung

Du weißt, was zu tun wäre. Und trotzdem tust du es nicht. Oder du hörst überhaupt nicht mehr auf.

  • Vielleicht hast du einen Plan. Du weißt, welchen nächsten Schritt du in deinem Business gehen möchtest. Die Aufgabe liegt vor dir, eigentlich wäre alles klar – und trotzdem schiebst du sie seit Tagen vor dir her.

  • Oder du kennst genau das Gegenteil. Du erledigst, organisierst und funktionierst. Eine Aufgabe ist fertig und schon fällt dir die nächste ein. Selbst wenn du eigentlich Pause hast, arbeitet dein Kopf weiter.

Auf den ersten Blick könnten diese beiden Dinge kaum unterschiedlicher sein.

Aber vielleicht lohnt es sich bei beiden, dieselbe Frage zu stellen: Was passiert eigentlich in mir, wenn ich es wirklich tue – oder wenn ich aufhöre?

Vielleicht fehlt dir gar nicht die richtige Strategie.

Gerade beim Thema Umsetzung suchen wir die Ursache schnell im Außen. Der Plan muss besser werden. Die Struktur klarer. Das Zeitmanagement effizienter. Vielleicht fehlt noch eine Morgenroutine, ein neues Tool oder endlich mehr Disziplin.

All das kann hilfreich sein. Nur kennst du wahrscheinlich auch diese Situationen, in denen du längst weißt, was zu tun wäre.

Die Mail müsste raus. Das Angebot könnte online gehen. Der Preis müsste endlich angepasst werden. Du könntest den Anruf machen, die Entscheidung treffen oder das Projekt beginnen.

Und trotzdem passiert etwas anderes. Du recherchierst noch einmal, optimierst eine Kleinigkeit, kümmerst dich plötzlich um etwas völlig anderes oder wartest auf den Moment, an dem du dich endlich bereit fühlst.

  • Dann ist die interessante Frage nicht mehr nur: Wie bekomme ich mich endlich dazu?
  • Sondern: Was würde passieren, wenn ich es tatsächlich tue?

Nicht ins Tun zu kommen kann viele Gründe haben.

Von außen sieht Aufschieben häufig gleich aus. Etwas wird nicht gemacht.

Aber das sagt noch lange nichts darüber aus, warum.

Vielleicht wird mit diesem einen Schritt plötzlich sichtbar, was du kannst. Vielleicht könntest du scheitern. Vielleicht könntest du aber auch Erfolg haben – und Erfolg würde bedeuten, dass sich etwas verändert. Dass du Verantwortung übernehmen, dich zeigen, einen höheren Preis vertreten oder Erwartungen enttäuschen müsstest.

Vielleicht ist die Aufgabe selbst gar nicht das Schwierige.

Vielleicht ist es das, was danach kommen könnte.

Deshalb halte ich wenig davon, jedes Nicht-Tun sofort als fehlende Disziplin oder mangelnde Motivation zu betrachten. Manchmal ist Aufschieben einfach Aufschieben. Und manchmal lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Dein Verhalten ist nicht das Problem. Es ist der Hinweis.

Und dann gibt es die andere Seite: Du kannst hervorragend umsetzen.

Vielleicht bist du diejenige, auf die man sich verlassen kann. Du bekommst Dinge geregelt, übernimmst Verantwortung und findest eine Lösung. Wenn viel los ist, funktionierst du häufig sogar besonders gut.

Nur mit dem Aufhören wird es schwierig.

Du setzt dich am freien Nachmittag kurz an den Rechner und drei Stunden später sitzt du immer noch dort. Du möchtest eigentlich Feierabend machen, beantwortest aber noch schnell diese eine Nachricht. Und wenn tatsächlich einmal nichts ansteht, findest du erstaunlich zuverlässig etwas, das noch erledigt werden könnte.

Vielleicht arbeitest du sogar wirklich gerne. Das ist überhaupt nicht das Problem.

  • Die spannendere Frage ist: Kannst du genauso frei aufhören, wie du anfangen kannst?

Warum eine Pause manchmal anstrengender sein kann als Arbeiten.

Arbeiten gibt Struktur. Du weißt, was zu tun ist. Du bist beschäftigt, kommst voran und kannst am Ende sehen, was du geschafft hast.

In einer Pause fällt all das für einen Moment weg.

Und genau dann kann es unruhig werden. Vielleicht tauchen Gedanken auf, für die vorher kein Platz war. Vielleicht entsteht das Gefühl, Zeit zu verschwenden. Vielleicht bemerkst du erst jetzt, wie erschöpft du eigentlich bist. Oder dein Blick fällt sofort auf die nächste Sache, die noch erledigt werden könnte.

Dann kann Weiterarbeiten tatsächlich leichter sein als Nichtstun.

Nicht unbedingt, weil du „workaholic“ bist. Sondern weil Tun möglicherweise etwas für dich tut, das weit über die erledigte Aufgabe hinausgeht.

Leistung ist nicht das Problem.

Etwas erreichen zu wollen, kann großartig sein. Ein Business aufzubauen, Ziele zu haben, Verantwortung zu übernehmen und stolz auf das zu sein, was du geschaffen hast, muss nicht verändert werden.

Ich möchte dir deine Leistungsfähigkeit nicht wegcoachen.

Mich interessiert vielmehr, wie frei du darin bist.

  • Kannst du viel leisten, weil du dich dafür entscheidest?
  • Oder fühlt es sich an, als müsstest du weitermachen?
  • Kannst du einen Tag wenig schaffen, ohne dass sich dein Blick auf dich selbst verändert?
  • Kannst du eine Pause machen, obwohl noch etwas auf der Liste steht?

Der Unterschied liegt nicht unbedingt darin, wie viel du tust.

Sondern darin, was passiert, wenn du es nicht tust.

Erfahrung aus dem Coaching

Wenn Leistung nicht mehr darüber entscheiden muss, ob du genug bist.

Ich hatte mich an Kerstin gewandt, weil ich nach einem Abteilungswechsel innerhalb der Behörde wieder in ein altes Muster gefallen bin, von dem ich dachte, dass ich es hinter mir gelassen habe. Schnell hat sich im Gespräch mit Kerstin gezeigt, dass dahinter steckte, dass wenn ich nichts leiste, ich nicht gut genug bin. […]

Ich stehe viel besser für mich ein und kommuniziere immer öfter klar und offen meine Grenzen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, was sich sehr gut anfühlt. Mein Leben hat dadurch eine ganz andere Dynamik bekommen.

E. Google-Rezension

Manchmal lernen wir sehr früh, welche Bedeutung Leistung hat.

Kinder wollen lernen, ausprobieren und Dinge selbst schaffen. Und natürlich erleben sie Reaktionen auf das, was sie tun. Freude, Anerkennung, Lob, Kritik, Erwartungen, Vergleich oder vielleicht auch Aufmerksamkeit.

Dabei kann Leistung ganz unterschiedliche Bedeutungen bekommen.

Vielleicht fühlt es sich gut an, etwas richtig zu machen. Vielleicht bringt Leistung Anerkennung oder Zugehörigkeit. Vielleicht sorgt Funktionieren für Ruhe. Vielleicht wird Selbstständigkeit früh wichtig. Oder du lernst, dass für deine Bedürfnisse gerade wenig Platz ist und es einfacher ist, selbst klarzukommen.

Das bedeutet nicht, dass jede leistungsorientierte Frau eine problematische Kindheit hatte. Und es bedeutet auch nicht, dass jedes Aufschieben oder jede Überforderung auf eine kindheitliche Prägung zurückzuführen ist.

Aber wenn du merkst, dass dein heutiges Verhalten sich trotz besseren Wissens immer wiederholt, kann es spannend sein, zu fragen:

Was habe ich irgendwann darüber gelernt, was passiert, wenn ich leiste – und was passiert, wenn ich es nicht tue?

„Aber ich bin doch einfach ehrgeizig.“

Vielleicht bist du das.

Vielleicht liebst du dein Business, deine Arbeit und das Gefühl, etwas zu erschaffen. Vielleicht möchtest du auch gar nicht weniger arbeiten.

Dann musst du das nicht.

Mir geht es nicht darum, aus leistungsstarken Frauen Menschen zu machen, die nachmittags um drei den Laptop zuklappen und den Rest des Tages meditieren.

Es geht um Wahlfreiheit.

Darum, ob du arbeiten kannst, ohne arbeiten zu müssen. Ob du wachsen kannst, ohne dich dabei permanent anzutreiben. Und ob du aufhören kannst, ohne vorher das Gefühl haben zu müssen, genug geleistet zu haben.

Denn Leistung fühlt sich anders an, wenn sie eine Entscheidung ist und nicht die Voraussetzung dafür, dass du dich mit dir selbst gut fühlst.

Und wenn du gar nicht erst anfängst?

Auch dann möchte ich nicht sofort wissen, wie wir dich produktiver bekommen.

Mich interessiert der Moment davor.

Was passiert, wenn du den Preis tatsächlich erhöhst? Wenn du dein Angebot veröffentlichst? Wenn du sichtbar wirst? Wenn du die Entscheidung triffst, von der du längst weißt, dass du sie treffen möchtest?

Vielleicht kommt Unsicherheit. Vielleicht die Frage, was andere denken. Vielleicht entsteht Druck, weil du anschließend liefern müsstest. Oder etwas in dir möchte lieber noch ein bisschen warten, optimieren und vorbereiten.

Zwei Frauen können dasselbe Projekt seit drei Monaten aufschieben und aus völlig unterschiedlichen Gründen nicht anfangen.

Deshalb brauche ich keine schnelle Schublade.

Ich möchte verstehen, was dein Nicht-Tun für dich gerade tut.

Ich möchte nicht zuerst deine To-do-Liste optimieren.

Wenn dein Problem tatsächlich deine Planung ist, brauchst du dafür wahrscheinlich kein tiefes Coaching.

Wenn du aber schon den dritten Plan geschrieben hast und trotzdem immer wieder an derselben Stelle hängen bleibst, wird es für mich interessant.

Dann schauen wir nicht nur darauf, was du tun solltest. Wir schauen auf den Moment, in dem du anders handelst, als du eigentlich möchtest. Was passiert dort? Was fühlst du? Was befürchtest du? Was vermeidest du vielleicht – und was gewinnst du gleichzeitig dadurch, dass alles bleibt, wie es ist?

Dasselbe gilt für die Frau, die nicht aufhören kann.

Ich möchte nicht nur wissen, wie wir mehr Pausen in deinen Kalender bekommen. Ich möchte wissen, warum du sie bisher nicht genommen hast.

Vielleicht fehlt dir nicht die richtige Strategie. Vielleicht läuft in dir noch eine alte.

Du musst weder weniger leisten noch plötzlich produktiver werden.

Das Ziel ist nicht, dich von einem Extrem ins andere zu bringen.

Du musst nicht langsamer werden, wenn du gerne schnell bist. Du musst nicht weniger wollen, wenn du große Ziele hast. Und du musst auch nicht jeden Widerstand auflösen, nur damit du möglichst viel erledigst.

Mich interessiert etwas anderes:

Dass du wieder mehr entscheiden kannst.

Wann du Gas gibst. Wann du innehältst. Welche Dinge du wirklich möchtest. Welche du vielleicht nur tust, weil du glaubst, sie tun zu müssen. Und welchen Schritt du längst gehen würdest, wenn nicht immer kurz davor etwas in dir auf die Bremse treten würde.

Vielleicht beginnt Veränderung deshalb nicht mit einem besseren Plan.

Sondern mit einer Frage:

Warum ging es bisher nicht?

Du musst die Antwort darauf noch nicht kennen.

Genau dort können wir anfangen.