Vielleicht kennst du diesen Moment: Du sitzt vor deinem Laptop und eigentlich ist vollkommen klar, was als Nächstes dran wäre. Das Angebot ist fertig. Der Text steht. Du müsstest ihn nur veröffentlichen. Oder du weißt seit Monaten, dass deine Preise nicht mehr zu deiner Erfahrung passen und eine Erhöhung längst überfällig ist.
Es fehlt dir nicht an Wissen. Du hast die Strategie verstanden, wahrscheinlich sogar einen Plan gemacht – und trotzdem passiert erstaunlich wenig.
Stattdessen überarbeitest du noch einmal die Website. Änderst eine Formulierung. Schaust, wie andere es machen. Buchst vielleicht noch eine Weiterbildung oder beschließt, erst nach dem nächsten Projekt wirklich sichtbar zu werden.
Und irgendwann kommt dieser Satz: Ich weiß doch genau, was ich tun müsste. Warum mache ich es dann nicht?
Ich erlebe diesen Moment in Coachings immer wieder. Und meistens glaube ich sofort, dass die Frau vor mir tatsächlich weiß, was zu tun wäre. Deshalb interessiert mich an dieser Stelle nicht zuerst die nächste Strategie. Mich interessiert, was zwischen Wissen und Tun passiert.
Aufschieben sieht von außen oft einfacher aus, als es innen ist
Wenn etwas im Business nicht umgesetzt wird, sind wir schnell mit Erklärungen. Fehlende Disziplin. Perfektionismus. Angst vor Sichtbarkeit. Prokrastination.
Manchmal stimmt eine davon sogar. Nur weiß ich damit noch immer nicht, warum genau diese Frau genau diesen Schritt nicht macht.
Nehmen wir eine Preiserhöhung. Rational ist sie längst entschieden. Dann kommt der Moment, in dem der neue Preis tatsächlich ausgesprochen oder auf die Website geschrieben werden soll, und plötzlich tauchen sehr vernünftige Gedanken auf.
Vielleicht ist das gerade zu viel. Ich sollte erst noch mehr Referenzen sammeln. Andere verlangen weniger. Nach der nächsten Weiterbildung fühlt es sich bestimmt stimmiger an.
Das Spannende an Mustern ist, dass sie selten mit einem Warnschild auftauchen, auf dem steht: Achtung, hier spricht gerade eine alte Strategie.
Sie klingen häufig ausgesprochen vernünftig.
Was würde passieren, wenn du es wirklich tust?
Diese Frage mag ich.
Nicht: Warum bist du noch nicht sichtbar? Nicht: Warum erhöhst du deinen Preis nicht endlich? Sondern ganz konkret: Was würde passieren, wenn du es heute wirklich tätest?
Dein Angebot wäre draußen. Menschen könnten es sehen. Jemand könnte Nein sagen. Vielleicht könnte jemand darüber urteilen. Vielleicht würdest du mit dem neuen Preis tatsächlich mehr verdienen. Vielleicht kämen plötzlich mehr Kundinnen und dein Business würde größer.
Auch Erfolg verändert etwas.
Manchmal denken wir beim Nicht-ins-Tun-Kommen nur an die Angst zu scheitern. Aber auch die andere Richtung kann spannend sein. Was wäre, wenn es funktioniert? Was würde dann von dir erwartet? Was müsstest du entscheiden? Würdest du sichtbarer? Müsstest du Verantwortung für ein größeres Business übernehmen?
Plötzlich ist „Ich muss nur noch meinen Text überarbeiten“ vielleicht gar nicht mehr das eigentliche Thema.
Nicht jede Blockade braucht dieselbe Lösung
Zwei selbstständige Frauen können exakt denselben Schritt aufschieben und vollkommen unterschiedliche Gründe dafür haben.
Die eine erhöht ihren Preis nicht, weil in ihr sofort die Frage auftaucht, ob dann noch genügend Kundinnen kommen. Sicherheit und Vertrauen könnten für sie interessant sein.
Die andere weiß, dass ihre Kundinnen den Preis zahlen würden, aber es fühlt sich unangenehm an, diese Summe für die eigene Arbeit zu verlangen. Bei ihr könnte etwas ganz anderes darunterliegen.
Eine dritte hat überhaupt kein Problem mit dem Preis. Sie müsste ihn nur endlich veröffentlichen – und merkt, dass sie vor allem davor zurückschreckt, sich klar festzulegen und mit ihrer Entscheidung sichtbar zu werden.
Deshalb halte ich wenig davon, einem Verhalten vorschnell eine Ursache zuzuordnen. Wenn du genauer verstehen möchtest, wie ich auf Vertrauen, Versorgung, Autonomie und Leistung schaue, findest du dazu meinen Grundlagenartikel über kindheitliche Prägungen.
Der entscheidende Punkt ist: Dasselbe Verhalten braucht nicht dieselbe Erklärung.
Und deshalb braucht es auch nicht dieselbe Lösung.
Vielleicht fehlt dir nicht noch eine Strategie
Natürlich gibt es Situationen, in denen wir tatsächlich nicht wissen, wie etwas geht. Dann brauchen wir Informationen, Beratung oder jemanden, der uns zeigt, wie der nächste Schritt aussieht.
Aber wenn du zum dritten Mal einen Plan machst, den du anschließend nicht umsetzt, würde ich irgendwann aufhören, den Plan zu optimieren.
Ich würde schauen, was genau in dem Moment passiert, in dem aus dem Plan Realität werden soll.
Was denkst du? Was fühlst du? Was versuchst du zu vermeiden? Und was könnte sich verändern, wenn du wirklich tust, was du längst vorhast?
Vielleicht entdecken wir dabei, dass dein Nicht-Tun gar nicht gegen dich arbeitet. Vielleicht versucht es auf seine Weise, etwas zu bewahren: Sicherheit, Zugehörigkeit, Kontrolle oder die Möglichkeit, dich noch nicht endgültig festlegen zu müssen.
Dann macht das Verhalten plötzlich mehr Sinn.
Das bedeutet nicht, dass du für immer dabei bleiben musst. Aber es verändert die Ausgangslage. Denn es ist etwas anderes, ob du dich selbst für deine vermeintliche Disziplinlosigkeit bekämpfst oder verstehst, warum ein Teil von dir an genau dieser Stelle auf die Bremse tritt.
Vielleicht brauchst du dann nicht noch mehr Druck, um endlich in die Umsetzung zu kommen. Vielleicht brauchst du zuerst eine Antwort auf eine andere Frage:
Warum ging es bisher nicht?
Und genau dort würde ich anfangen.
Wenn dein Business längst weiter sein könnte, du aber immer wieder an derselben Stelle stoppst
Dann muss die nächste Lösung nicht automatisch die nächste Strategie sein. Manchmal lohnt sich der Blick auf das, was in dem Moment passiert, in dem du deinen Plan tatsächlich umsetzen möchtest.
Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du mehr darüber, wie ich mit solchen Mustern in Selbstständigkeit und Business arbeite.