Vielleicht kennst du solche Situationen.
Jemand sagt einen Satz zu dir. Eigentlich nichts Dramatisches. Vielleicht sogar etwas, bei dem du später denkst: Warum hat mich das jetzt eigentlich so getroffen? Und trotzdem merkst du in diesem Moment sofort, wie etwas in dir passiert. Du wirst wütend. Du möchtest dich rechtfertigen. Du ziehst dich zurück. Du spürst einen Kloß im Hals oder dieses unangenehme Ziehen im Bauch.
Oder jemand braucht deine Hilfe und dein Ja ist schon ausgesprochen, bevor du überhaupt darüber nachgedacht hast, ob du gerade Zeit oder Lust darauf hast. Vielleicht möchtest du eine Entscheidung treffen, von der du eigentlich ziemlich überzeugt bist. Dann äußert jemand Zweifel – und plötzlich zweifelst du selbst.
Manchmal sind es auch ganz andere Situationen. Du hast endlich einen freien Nachmittag und könntest einfach nichts tun. Stattdessen räumst du die Küche auf, beantwortest noch schnell zwei E-Mails und erledigst etwas, das problemlos bis morgen warten könnte. Und erst abends stellst du fest, dass aus deiner Pause irgendwie wieder ein Arbeitstag geworden ist.
Solche Momente finde ich spannend. Nicht, weil hinter jedem von ihnen zwangsläufig irgendein großes ungelöstes Thema stecken muss. Manchmal ist ein schlechter Tag einfach ein schlechter Tag. Manchmal nervt uns ein Mensch, weil er uns nervt. Und manchmal arbeiten wir länger, weil etwas fertig werden muss.
Aber manchmal merken wir: Das kenne ich von mir.
Es passiert nicht einmal. Es passiert immer wieder. Und genau dann lohnt es sich für mich, nicht nur darauf zu schauen, was wir tun, sondern neugierig darauf zu werden, warum sich dieses Verhalten für uns offenbar so richtig anfühlt – selbst wenn wir es mit dem Kopf längst anders wollen.
Was sind kindheitliche Prägungen überhaupt?
Wenn ich von kindheitlichen Prägungen spreche, meine ich damit nicht, dass irgendwo in deiner Kindheit dieses eine Ereignis passiert sein muss, das heute dein gesamtes Leben bestimmt.
Ich meine etwas viel Alltäglicheres. Ein Kind kommt nicht mit einem fertigen Verständnis davon auf die Welt, wie Menschen, Beziehungen und das Leben funktionieren. Es macht Erfahrungen. Immer und immer wieder.
Was passiert, wenn ich weine? Kommt jemand? Was passiert, wenn ich etwas brauche? Was passiert, wenn ich Nein sage? Was passiert, wenn ich wütend bin? Was passiert, wenn ich etwas besonders gut mache? Was passiert, wenn ich einen Fehler mache? Was passiert, wenn Mama traurig ist, Papa gestresst ist oder gerade niemand Zeit für mich hat?
Ein kleines Kind analysiert diese Situationen natürlich nicht so, wie wir das als Erwachsene tun würden. Es sitzt nicht in seinem Kinderzimmer und denkt: Interessant. Daraus entwickle ich jetzt eine innere Überzeugung über zwischenmenschliche Beziehungen.
Es erlebt. Und es lernt.
Mit der Zeit können daraus Erwartungen und Strategien entstehen: darüber, wie sicher die Welt ist, wie Beziehungen funktionieren, wie mit den eigenen Bedürfnissen umgegangen wird und was man tun kann, um Nähe, Sicherheit oder Anerkennung zu bekommen.
Viele dieser Strategien können ausgesprochen hilfreich sein. Genau deshalb wiederholen wir sie. Das Interessante daran ist nur: Wir werden älter. Unsere Lebensumstände verändern sich. Aber nicht jede einmal gelernte Strategie wird automatisch mit aktualisiert.
Und dann kann etwas, das irgendwann einmal sinnvoll war, Jahre später an einer völlig anderen Stelle wieder auftauchen.
In meiner Arbeit schauen wir dabei unter anderem auf vier große Themenbereiche: Vertrauen, Versorgung, Autonomie und Leistung. Nicht als vier Schubladen, in die ein Mensch einsortiert wird. Vielmehr sind es vier Blickwinkel, aus denen wir auf frühe Erfahrungen und heutiges Verhalten schauen können.
Vertrauen: Kann ich mich darauf verlassen, dass jemand da ist?
Ganz am Anfang unseres Lebens sind wir vollständig abhängig. Ein Baby kann sich nicht selbst versorgen. Es kann nicht aufstehen, sich etwas zu essen machen oder sich erklären, warum Mama gerade nicht im Raum ist. Es erlebt zunächst nur das, was gerade geschieht.
Es braucht Nähe, Kontakt, Versorgung und Beruhigung. Und über viele einzelne Erfahrungen entsteht nach und nach ein Gefühl dafür, wie verlässlich die Welt ist.
Wenn ich etwas brauche – kommt jemand?
Dabei geht es nicht um perfekte Eltern. Die gibt es nicht. Kein Mensch kann jedes Bedürfnis eines Kindes sofort erkennen und erfüllen. Eltern sind müde, gestresst, krank, überfordert oder müssen sich gleichzeitig um Geschwister, Arbeit und tausend andere Dinge kümmern.
Entscheidend ist deshalb auch nicht die Vorstellung einer perfekten Kindheit, in der ein Kind niemals warten, weinen oder Frust erleben darf. Spannend ist vielmehr, welche Erfahrungen sich für dieses eine Kind wiederholen und welche Bedeutung sein System daraus entwickelt.
Ein Thema rund um Vertrauen muss sich später übrigens nicht darin zeigen, dass jemand offensichtlich „niemandem vertraut“. Das wäre viel zu einfach gedacht. Vielleicht vertraust du Menschen durchaus und merkst trotzdem, dass Ungewissheit für dich schwer auszuhalten ist. Vielleicht möchtest du Dinge lieber kontrollieren. Vielleicht brauchst du schnell Klarheit. Vielleicht wirst du unruhig, wenn jemand sich nicht meldet, obwohl dein erwachsener Kopf hundert plausible Erklärungen dafür kennt.
Oder vielleicht zeigt es sich an einer völlig anderen Stelle. Deshalb interessiert mich nicht zuerst: Hast du ein Vertrauensproblem? Mich interessiert eher:
Was passiert in dir, wenn du nicht weißt, was als Nächstes passiert?
Das ist eine ganz andere Frage.
Versorgung: Ist genug für mich da?
Versorgung klingt zunächst sehr praktisch. Essen. Trinken. Wärme. Ein Dach über dem Kopf. Aber für ein Kind bedeutet versorgt zu sein viel mehr.
Es hat Bedürfnisse und erlebt, wie die Menschen um es herum darauf reagieren. Darf es etwas brauchen? Ist Platz für seine Bedürfnisse? Wird wahrgenommen, dass etwas fehlt? Wie fühlt es sich an, etwas zu bekommen?
Und auch hier entstehen nicht einfach nur zwei Kategorien – „gut versorgt“ oder „schlecht versorgt“. Ein Kind kann materiell alles haben und trotzdem lernen, bestimmte Bedürfnisse lieber nicht zu zeigen. Ein anderes wächst vielleicht mit wenig Geld auf und erlebt gleichzeitig eine große emotionale Verlässlichkeit.
Menschen und Familien sind komplexer als jede einfache Zuordnung.
Später kann die Frage nach Versorgung an ganz unterschiedlichen Stellen wieder interessant werden. Manche Menschen können wunderbar geben und für andere sorgen, aber nur schwer etwas annehmen. Manche fühlen sich erst sicher, wenn mehr als genug vorhanden ist. Andere haben Schwierigkeiten, etwas für sich selbst zu beanspruchen, obwohl objektiv genügend da wäre.
Und ja, hier kann irgendwann auch Geld eine Rolle spielen. Nicht weil jedes Geldthema automatisch ein Versorgungsthema wäre. Aber Geld ist in unserem heutigen Leben eng mit Möglichkeiten, Ressourcen und Sicherheit verbunden. Deshalb kann es ein Ort sein, an dem wir etwas bemerken, das eigentlich viel tiefer liegt.
Die spannendere Frage lautet dann vielleicht gar nicht: Wie viel ist auf meinem Konto? Sondern:
Wann fühlt sich etwas für mich wirklich nach genug an?
Autonomie: Ich will das aber selbst!
Wenn Kinder größer werden, passiert etwas Wunderbares – und für Eltern gelegentlich vermutlich auch ziemlich Anstrengendes. Da entsteht immer stärker ein eigener Wille.
Ich. Will. Das.
Selber machen. Selbst entscheiden. Nein sagen. Ausprobieren. Weglaufen und wiederkommen. Grenzen testen. Herausfinden: Wo höre ich auf und wo beginnt der andere?
Autonomie ist ein wichtiger Teil unserer Entwicklung. Ein Kind entdeckt, dass es ein eigenständiger Mensch mit eigenen Wünschen, Impulsen und Entscheidungen ist. Und natürlich trifft dieser kleine eigene Wille auf die Realität.
Ein Kind kann nicht alles selbst entscheiden. Es darf nicht auf die Straße rennen, nur weil es das gerade möchte. Es kann nicht jeden Abend um Mitternacht ins Bett gehen und sich ausschließlich von Schokolade ernähren. Grenzen gehören dazu.
Spannend wird vielmehr, wie der eigene Wille des Kindes grundsätzlich beantwortet wird. Darf es anderer Meinung sein? Darf es wütend werden? Darf es Nein sagen? Darf es ausprobieren und Fehler machen? Oder erlebt es immer wieder, dass sein eigener Wille Streit, Rückzug, Beschämung oder Ablehnung auslöst?
Ein Kind könnte daraus lernen, dass Anpassung manchmal sicherer ist als Autonomie.
Und viele Jahre später sitzt dort eine erwachsene Frau, die beruflich Verantwortung trägt, vielleicht ein Unternehmen führt und für andere unglaublich klare Entscheidungen treffen kann – aber bei einer persönlichen Entscheidung plötzlich drei Menschen fragt, was sie an ihrer Stelle tun würden.
Oder sie weiß genau, dass sie Nein sagen möchte, und hört sich trotzdem Ja sagen. Oder sie möchte einen Weg gehen, den ihre Familie nicht versteht, und merkt plötzlich, wie schwer sich eine Entscheidung anfühlt, die sie eigentlich längst getroffen hat.
Dann könnte ich ihr natürlich sagen: Du musst lernen, dich besser abzugrenzen. Mich interessiert aber etwas anderes.
Was würde es für dich bedeuten, deinen eigenen Willen wirklich ernst zu nehmen?
Und manchmal steckt in der Antwort darauf sehr viel mehr als ein fehlendes Nein.
Leistung: Was passiert, wenn ich nichts tue?
Irgendwann wird die Welt eines Kindes größer. Es macht Dinge. Es probiert aus. Es lernt. Es malt ein Bild, baut einen Turm, hilft mit, löst Aufgaben und bekommt Rückmeldungen.
Das hast du toll gemacht. Du bist aber fleißig. Schau mal, wie gut deine Schwester das schon kann. Das kannst du doch besser.
Leistung und Anerkennung begegnen uns spätestens mit Kindergarten und Schule immer häufiger. Wir erleben, dass Dinge bewertet und verglichen werden. Wir erleben Erfolg und Misserfolg und bekommen Rückmeldungen darauf, was wir tun.
Auch hier ist Lob natürlich nicht grundsätzlich problematisch. Ein Kind darf stolz darauf sein, etwas geschafft zu haben. Es darf erleben: Ich kann etwas bewirken. Ich kann lernen. Ich kann wachsen.
Spannend wird es für mich dort, wo sich Leistung irgendwann mit etwas anderem verbindet. Mit Anerkennung. Mit Zugehörigkeit. Mit dem Gefühl, wertvoll zu sein. Oder mit Sicherheit.
Dann kann aus „Ich freue mich, dass ich etwas geschafft habe“ irgendwann etwas werden, das sich eher anfühlt wie:
„Ich bin gut, wenn ich etwas schaffe.“
Und vielleicht sitzt dieses Kind viele Jahre später als erwachsene Frau auf dem Sofa und hat endlich frei. Zumindest theoretisch. Denn nach zehn Minuten fällt ihr ein, was sie noch erledigen könnte.
Sie beantwortet eine Nachricht. Räumt etwas weg. Öffnet kurz den Laptop. Schreibt eine To-do-Liste für morgen. Nicht unbedingt, weil irgendjemand das von ihr verlangt. Sondern weil Nichtstun sich irgendwie ... komisch anfühlt.
Genau deshalb interessiert mich beim Thema Leistung nicht nur, wie viel jemand arbeitet. Ich möchte wissen:
Wie fühlt es sich an, wenn du nichts leisten musst?
Die Antwort darauf kann manchmal sehr viel spannender sein als jeder Blick auf den Kalender.
Diese Phasen sind keine vier Schubladen
Das ist mir an dieser Stelle besonders wichtig.
Wenn du dich gerade beim Lesen an einer Stelle wiedererkannt hast, bedeutet das nicht automatisch: Aha, das ist also meine Prägung.
So funktioniert diese Arbeit nicht. Du bist nicht „Vertrauen“. Du bist nicht „Versorgung“. Und du bist auch nicht „die Leistungsgeprägte“.
Wir alle haben Erfahrungen in all diesen Bereichen gemacht. Sie können sich gegenseitig beeinflussen. Manche spielen in bestimmten Lebensphasen eine größere Rolle, andere kaum. Und ein Verhalten, das von außen gleich aussieht, kann bei zwei Menschen vollkommen unterschiedliche Hintergründe haben.
Nehmen wir jemanden, der schwer Nein sagen kann. Vielleicht hat diese Person früh erlebt, dass der eigene Wille wenig Raum hatte. Dann könnte Autonomie interessant sein. Vielleicht hat sie aber auch gelernt, dass sie besonders viel Anerkennung bekommt, wenn sie hilft und etwas leistet. Oder ihr Nein fühlt sich gefährlich an, weil sie befürchtet, dadurch Beziehung und Nähe zu verlieren.
Dasselbe Nein. Drei völlig unterschiedliche Geschichten.
Genau deshalb möchte ich aus einem sichtbaren Verhalten nicht einfach auf seine Ursache schließen. Ich möchte neugierig werden.
„Aber ich kann mich an meine frühe Kindheit doch gar nicht erinnern.“
Das ist vollkommen normal.
An unsere allerersten Lebensjahre haben wir in der Regel keine zusammenhängenden autobiografischen Erinnerungen wie an einen Urlaub vor fünf Jahren. Frühes Lernen findet trotzdem statt. Ein Kind lernt Sprache, Bewegungsabläufe, vertraute Gesichter, Abläufe und Beziehungserfahrungen lange bevor es später eine bewusste Geschichte darüber erzählen könnte.
Deshalb müssen wir nicht zwingend eine konkrete Szene aus dem zweiten oder dritten Lebensjahr finden, um uns mit frühen Erfahrungen zu beschäftigen. Und ich halte es sogar für wichtig, hier vorsichtig zu sein.
Es geht nicht darum, im Nachhinein Geschichten zu konstruieren, die wir gar nicht kennen.
Mir reicht zunächst das, was heute da ist. Eine Reaktion. Ein Gefühl. Ein Verhalten, das immer wieder auftaucht. Eine Situation, in der dein erwachsener Kopf etwas vollkommen anders bewertet als der Rest von dir.
Von dort aus können wir schauen, welche Zusammenhänge für dich tatsächlich Sinn ergeben.
Es geht nicht darum, deine Eltern verantwortlich zu machen
Auch das gehört für mich unbedingt zu diesem Thema.
Wenn wir über Kindheit sprechen, entsteht schnell die Sorge, jetzt müsse irgendjemand schuld sein. Das ist nicht mein Ansatz.
Unsere Eltern hatten ihre eigene Geschichte. Ihre eigenen Prägungen. Ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Vieles von dem, was sie getan haben, war vermutlich das Beste, was ihnen mit dem, was ihnen damals zur Verfügung stand, möglich war.
Und gleichzeitig darf eine Erfahrung für ein Kind schwierig gewesen sein, auch wenn niemand die Absicht hatte, ihm weh zu tun. Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Wir müssen keinen Schuldigen finden, um eine Erfahrung ernst nehmen zu dürfen. Für meine Arbeit ist ohnehin eine andere Frage wichtiger:
Was bedeutet diese Erfahrung heute noch für dich?
Denn wir können die Vergangenheit nicht verändern. Aber wir können verstehen, was wir aus ihr mitgenommen haben.
Warum tauchen alte Muster ausgerechnet heute auf?
Das finde ich vielleicht sogar am faszinierendsten.
Wir tragen nicht den ganzen Tag sichtbar unsere Kindheit mit uns herum. Du stehst morgens nicht auf und denkst beim Zähneputzen über deine Autonomiephase nach. Viele Dinge funktionieren wunderbar.
Bis wir in eine Situation geraten, die etwas Bekanntes berührt.
Vielleicht ist es eine Beziehung, in der plötzlich Unsicherheit entsteht. Eine Trennung, bei der Loslassen viel schwerer ist, als du erwartet hattest. Eine berufliche Entscheidung, bei der du deinen eigenen Weg gehen möchtest. Eine Phase in deinem Business, in der Geld plötzlich viel stärker mit Sicherheit verbunden ist. Oder eine Zeit, in der du eigentlich dringend Ruhe bräuchtest und trotzdem nicht aufhören kannst zu funktionieren.
Dann kann eine heutige Situation etwas Altes berühren. Nicht weil du wieder das Kind von damals bist. Sondern weil dein System eine Strategie kennt, die in einer ähnlichen emotionalen Situation irgendwann einmal funktioniert hat.
Und vielleicht erklärt das auch, warum wir manchmal etwas ganz genau wissen und trotzdem anders reagieren. Der erwachsene Teil von dir kennt die Situation von heute. Ein anderer Teil kennt vielleicht vor allem die alte Regel.
Und was machen wir jetzt damit?
Für mich beginnt die Arbeit nicht damit, ein Etikett auf ein Verhalten zu kleben. Sie beginnt mit Neugier.
Wenn etwas immer wieder passiert, möchte ich genauer hinschauen. Nicht nur auf das Verhalten selbst, sondern auf den Moment davor. Was geschieht da? Was fühlst du? Was befürchtest du? Was wäre anders, wenn du diesmal tatsächlich deinem heutigen Wunsch folgen würdest?
Und dann schauen wir, welche Geschichte dazu gehört. Manchmal führt dieser Weg zu Vertrauen. Manchmal zu Versorgung, Autonomie oder Leistung. Manchmal führt er an eine ganz andere Stelle.
Das Ergebnis soll nicht sein, dass du deine Vergangenheit anschließend besser erklären kannst. Mir geht es um dein Heute.
Denn wenn du verstehst, warum eine alte Strategie einmal sinnvoll war und was sie heute noch für dich tut, kannst du anfangen zu prüfen, ob du sie in dieser Form überhaupt noch brauchst. Nicht indem du gegen dich arbeitest oder dir einredest, dass du dich ab morgen einfach anders verhalten musst, sondern indem du immer besser unterscheiden kannst: Was passiert gerade wirklich – und worauf reagiere ich?
Vielleicht entsteht genau dort nach und nach mehr Raum für eine andere Entscheidung. Nicht die Entscheidung, die irgendein Ratgeber für richtig hält. Sondern deine.
Vielleicht beginnt es mit einer anderen Frage
Wenn du dich das nächste Mal dabei erwischst, etwas schon wieder genauso zu machen wie immer, könntest du natürlich fragen: Warum kriege ich das nicht endlich hin?
Ich mag inzwischen eine andere Frage lieber:
Wofür könnte das gerade gut sein?
Nicht jede Antwort darauf führt in die Kindheit. Nicht jedes Verhalten braucht eine tiefere Erklärung. Aber manchmal verändert sich schon etwas, wenn wir aufhören, unser Verhalten sofort bekämpfen zu wollen, und anfangen, es ernst zu nehmen.
Denn vielleicht erzählt es uns etwas. Über das, was wir einmal gebraucht haben. Über das, was wir gelernt haben. Und über eine Strategie, die lange gute Arbeit geleistet hat – aber heute vielleicht nicht mehr entscheiden muss, wie wir leben.
Wenn du gerade so einen Punkt in deinem Leben hast, musst du übrigens noch nicht wissen, welche Prägung dahinterliegen könnte. Genau das ist nicht deine Aufgabe. Du kannst einfach bei dem anfangen, was du heute bemerkst.
Was passiert immer wieder, obwohl du es eigentlich längst anders möchtest?
Von dort aus können wir gemeinsam hinschauen.