Es war ein guter Monat. Drei neue Kundinnen, eine Rechnung, auf die du lange gewartet hast. Für ein paar Tage fühlt sich alles leicht an.
Dann ein Abendessen, das du schon lange machen wolltest. Ein Geschenk für deine Freundin. Ein Kurs, der gerade gut passt. Die Reparatur am Auto. Nichts davon war unvernünftig.
Und am Ende des Monats schaust du aufs Konto und fragst dich: Wo ist es eigentlich hin?
Die Freundschaft Plus mit deinem Geld
In meinem Artikel „Beziehung zu Geld verbessern“ vergleiche ich den Umgang mit Geld mit verschiedenen Beziehungstypen. Dieser hier heißt bei mir: die Freundschaft Plus.
Schön, wenn es da ist. Ihr habt gute Zeiten miteinander. Aber festlegen? Lieber nicht. Es darf kommen, es darf auch gern wiederkommen. Nur bleiben soll es bitte nicht. Das wäre dann ja etwas Ernstes.
Geld darf bei dir übernachten. Aber einziehen darf es nicht.
Das Tückische an der Freundschaft Plus: Sie fühlt sich nicht wie ein Problem an. Es gibt keinen Rausch wie bei der Affäre und keine Panik wie beim Hinterherlaufen. Es ist einfach immer wieder weg.
Erst einmal ehrlich auf die Zahlen schauen
Bevor wir über Muster sprechen, ein nüchterner Blick: Manchmal rinnt Geld durch die Finger, weil schlicht mehr rausgeht als reinkommt. Steuern, unregelmäßige Ausgaben, Versicherungen, die nur einmal im Jahr abgebucht werden.
Deshalb zuerst die Frage: Decken deine Einnahmen deine festen und unregelmäßigen Ausgaben, deine Steuern und mögliche Schulden? Wenn nicht, geht es zuerst um eine praktische finanzielle Lösung und nicht um ein inneres Muster. Wenn Schulden dazukommen, ist eine anerkannte Schuldnerberatung ein guter erster Schritt. Woran du seriöse Angebote erkennst, erklärt die Verbraucherzentrale.
Spannend wird es, wenn die Zahlen eigentlich reichen. Wenn in guten Monaten genug da wäre, um etwas zurückzulegen, und trotzdem nichts bleibt.
Warum Geld nicht bleiben darf
Wenn Frauen mir davon erzählen, höre ich selten „Ich kann nicht mit Geld umgehen“. Ich höre eher Sätze wie: „Irgendwas ist immer.“ Oder: „Ich bin halt nicht so eine, die spart.“
Eine mögliche Erklärung: Für manche Frauen fühlt sich Geld, das bleibt, unangenehm an. Nicht bewusst, aber spürbar. Als würde es etwas über dich aussagen, das nicht zu dir passt.
Häufig begegnen mir in meiner Arbeit Geschichten wie diese:
„Über Geld spricht man nicht.“ Wer Geld hat, fällt auf. Und auffallen war in deiner Familie vielleicht gefährlich.
„Die Reichen sind die anderen.“ Wenn Geld in deiner Familie mit Gier, Kälte oder Angeberei verbunden war, willst du vielleicht nicht so werden. Also gibst du es lieber weiter, bevor es sich ansammelt.
„Geld ist zum Ausgeben da.“ Vielleicht war es bei euch ganz normal, dass am Monatsende nichts mehr übrig war. Vertraut fühlt sich sicher an, auch wenn es eng ist.
Geld bleibt sowieso nicht. Wenn du erlebt hast, dass Geld immer wieder plötzlich weg war, kann es sich sicherer anfühlen, es selbst auszugeben, bevor es dir jemand nimmt.
Manchmal rinnt Geld nicht durch die Finger. Manchmal machen wir die Hand gar nicht erst zu.
Welche Sätze über Geld du vielleicht mitbekommen hast und warum eine Liste allein sie nicht auflöst, beschreibe ich in „Glaubenssätze über Geld auflösen“.
Was die Freundschaft Plus dich kosten kann
Auf den ersten Blick nichts. Du lebst ja gut, du gönnst dir und anderen etwas, du bist großzügig. Das sind schöne Eigenschaften.
Aber viele Frauen erzählen mir, was im Hintergrund mitläuft: Jeder ruhigere Monat wird sofort eng. Eine größere Ausgabe wird zur Krise. Und der Traum vom eigenen Rückzugsort, vom Sabbatical oder vom Business-Ausbau bleibt ein Traum, weil nie etwas da ist, auf das du aufbauen kannst.
Und manchmal kostet es Selbstvertrauen. Denn irgendwann glaubst du selbst, dass du „halt nicht mit Geld kannst“. Vielleicht gab es bisher keine verlässliche Struktur dafür, oder Geld liegen zu lassen fühlt sich für dich ungewohnt an.
Was du heute schon ausprobieren kannst
Es geht hier nicht um ein Sparprogramm. Es geht darum, einmal auszuprobieren, wie es sich anfühlt, wenn Geld bleiben darf.
1. Lass einen kleinen Betrag bewusst liegen, aber erst, wenn fällige Rechnungen, Steuern und vereinbarte Schuldenzahlungen gedeckt sind. Wenn das nächste Geld reinkommt, leg dann einen kleinen, für dich vertretbaren Teil zur Seite, den du nicht anrührst. Es geht ums Bleibendürfen.
2. Schau ihn dir regelmäßig an. Nicht zur Kontrolle, sondern wie man einem Gast zeigt, dass er willkommen ist.
3. Achte auf das Gefühl. Wird es dir unruhig? Fällt dir plötzlich ein, wofür du das Geld unbedingt brauchst? Wessen Stimme sagt, dass das nicht zu dir passt?
Die dritte Frage ist oft die aufschlussreichste. Denn wenn eine Freundschaft Plus nicht verbindlicher werden darf, hat das meistens einen guten Grund. Er ist nur oft schon sehr alt.
Häufige Fragen
Warum rinnt mir Geld durch die Finger, obwohl ich gut verdiene?
Das kann ganz praktische Gründe haben, zum Beispiel unregelmäßige Ausgaben, die du nicht einplanst. Wenn die Zahlen aber eigentlich reichen, lohnt sich der Blick auf das Gefühl: Wie fühlt es sich an, wenn Geld einfach liegen bleibt? Wenn das unangenehm ist, kann neben praktischen Gründen auch ein gelerntes Muster mitwirken.
Ist das nicht einfach Großzügigkeit?
Großzügigkeit ist etwas Schönes. Der Unterschied liegt darin, ob du dich frei dafür entscheidest oder ob du es nicht aushältst, wenn etwas übrig bleibt. Im zweiten Fall steuert dich ein Muster, nicht deine Großzügigkeit.
Bist du eine Finanzberaterin?
Nein. Ich sage dir nicht, wie du dein Geld einteilen oder anlegen sollst. Ich arbeite mit dem, was unter deinem Umgang mit Geld liegt: Prägungen, Gefühle und alte Sicherheitsstrategien.
Und jetzt mal ehrlich
Wenn dein Geld bei dir einziehen wollte, würdest du es lassen?
Wenn sich das Gefühl eher nach „nie genug“ anfühlt, lies auch „Warum habe ich nie Geld?“. Und wenn das Geld eher in einem heimlichen Rausch verschwindet, passt „Frustkäufe vermeiden“ besser zu dir.
Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du, wie ich mit Geldmustern selbstständiger Frauen arbeite. Und in der Musteranalyse schauen wir gemeinsam, warum dein Geld bei dir nicht bleiben darf.
Quellen
Verbraucherzentrale: Schuldnerberatungen – So erkennen Sie unseriöse Angebote
