Geld & Business

Frustkäufe vermeiden: Warum du nach Wochen Verzicht plötzlich alles kaufst

Von ca. 5 Minuten

Hand schiebt eine schlichte Papiertüte hinter einen Stapel Strickpullover in den Kleiderschrank

Wochenlang bist du die Vernünftigste von allen.

Der Kaffee unterwegs? Zu teuer. Der Friseurtermin? Kann warten. Die Bluse liegt seit Wochen im Warenkorb, und du schaust sie dir ab und zu an, wie man sich ein Foto anschaut.

Und dann kommt dieser eine Abend. Ein anstrengender Tag, das Kind endlich im Bett, das Handy in der Hand. Ein Klick. Noch einer. Die Bluse. Die Schuhe dazu. Und die Tasche, weil sie gerade so gut passt.

Am nächsten Tag kommt das Paket. Und du räumst es weg, bevor jemand nach Hause kommt.

Die Affäre mit deinem Geld

In meinem Artikel „Beziehung zu Geld verbessern“ vergleiche ich den Umgang mit Geld mit verschiedenen Beziehungstypen. Dieser hier heißt bei mir: die Affäre.

Zu Hause bist du treu. Jede Ausgabe wird geprüft, jeder Wunsch verschoben. Und heimlich, an einem Abend, holst du dir, was dir fehlt. Mit schnellem Herzschlag, mit einem kurzen Rausch und mit einem schlechten Gewissen, das schon am nächsten Morgen wartet.

Du gehst nicht fremd. Du kaufst dir etwas von deinem eigenen Geld. Aber es fühlt sich genauso an.

Das Verrückte daran: Du versteckst etwas, das dir gehört. Du sagst „Ach, die hab ich schon ewig“, über eine Bluse, die du selbst bezahlt hast.

Frustkäufe sind nicht immer ein Disziplinproblem

Wenn Frauen mir von solchen Käufen erzählen, sagen sie fast immer denselben Satz: „Ich habe mich einfach nicht im Griff.“

Manchmal steckt hinter solchen Käufen nicht zu wenig Disziplin, sondern eine lange Phase sehr strenger Selbstkontrolle. Ein möglicher Ablauf sieht so aus: Jeder Wunsch hört zunächst „nein“. An einem müden, traurigen oder belastenden Abend fällt diese Kontrolle schwerer, und mehrere Wünsche kommen auf einmal. Das ist eine mögliche Erklärung, nicht die einzige.

Manche Affären entstehen nicht aus zu viel Lust. Sondern aus einer Beziehung, in der du nichts darfst.

In diesem Fall ist der Frustkauf nicht das eigentliche Problem. Er ist eher der Moment, in dem sich der Druck aus dem Verzicht entlädt.

Woher das Muster kommen kann

Viele Frauen, mit denen ich arbeite, kennen aus ihrer Kindheit Sätze wie diese:

„Das brauchst du nicht.“

„Bescheidenheit ist eine Zier.“

„Wer will, kriegt nichts.“

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Gemeint war das selten böse. Oft war das Geld wirklich knapp, oder die Eltern hatten selbst gelernt, dass man sich nichts gönnt. Aber ein Kind kann daraus einen Schluss ziehen: Meine Wünsche sind zu viel. Ich muss sie zurückhalten.

Wenn deine Wünsche keinen offiziellen Platz bekommen, holen sie sich manchmal einen heimlichen.

Und genau das Heimliche ist der Punkt. Es geht bei der Affäre nicht nur ums Geld, sondern ums Erlauben. Wer sich offiziell nichts erlauben darf, nimmt es sich manchmal im Verborgenen. Wie solche frühen Sätze über Geld heute weiterwirken können, beschreibe ich ausführlich in „Geld und kindheitliche Prägungen“.

Warum „Impulskäufe stoppen“ oft nicht funktioniert

Die üblichen Tipps, um Frustkäufe zu vermeiden, kennst du wahrscheinlich: Warenkorb 24 Stunden liegen lassen, Kreditkarte löschen, Shopping-Apps vom Handy werfen. Das kann für eine Weile helfen, und es spricht nichts dagegen.

Wenn Gefühle oder strenger Verzicht den Kaufimpuls mit auslösen, reichen technische Hürden allein möglicherweise nicht. Dann lohnt es sich zusätzlich, den Auslöser zu beobachten.

Es lohnt sich deshalb, zu unterscheiden:

Kaufst du, weil du etwas willst? Dann ist das ein Wunsch, und Wünsche dürfen sein.

Oder kaufst du, weil du etwas nicht fühlen willst? Müdigkeit, Einsamkeit, Ärger, das Gefühl, immer nur zu funktionieren. Dann füllt der Kauf eine Lücke, die mit Geld nicht zu füllen ist.

Oft ist es beides. Und beides darf erst einmal da sein, ohne dass du dich dafür verurteilst.

Was du stattdessen ausprobieren kannst

Mein Vorschlag klingt erst einmal paradox.

Nicht weniger gönnen. Offiziell gönnen.

1. Gönn dir diese Woche etwas Kleines am helllichten Tag. Einen Kaffee, eine Zeitschrift, eine Blume. Geplant, ohne Anlass, ohne es dir vorher zu verdienen.

2. Versteck es nicht. Stell die Blume auf den Tisch. Trink den Kaffee, wo man dich sieht. Wenn jemand fragt: „Hab ich mir gegönnt.“

3. Schau, was passiert. Welches Gefühl kommt? Freude, Unruhe, schlechtes Gewissen? Und wessen Stimme meldet sich, wenn du es dir erlaubst?

Wenn es dir sehr schwerfällt, überhaupt zu spüren, was du dir wünschst, findest du mehr dazu in „Eigene Bedürfnisse erkennen“. Und wenn du eher die Frau bist, die vor jedem Kauf lange zögert, passt „Geld ausgeben ohne schlechtes Gewissen“ besser zu dir.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Frustkauf und Impulskauf?

Ein Impulskauf ist ein spontaner, vorher nicht geplanter Kauf. Mit „Frustkauf“ meint man im Alltag meist einen Kauf, der in einer belastenden Stimmung entsteht und das Gefühl kurzfristig verändern soll. Das ist keine eigene Diagnose.

Ist es schlimm, Einkäufe vor dem Partner zu verstecken?

Es ist vor allem ein Hinweis. Wenn du etwas versteckst, das du dir von deinem eigenen Geld gekauft hast, lohnt sich die Frage, wovor du dich eigentlich schützt: vor einem Kommentar, vor einem Streit oder vor einer alten Stimme in dir.

Was, wenn ich mir Käufe wirklich nicht leisten kann?

Dann geht es zuerst um eine praktische Lösung. Wenn Käufe regelmäßig zu Schulden führen, ist eine anerkannte Schuldnerberatung der richtige erste Schritt. Ich bin keine Finanzberaterin. Ich arbeite mit dem, was unter deinem Umgang mit Geld liegt.

Wenn du den Kaufdrang wiederholt kaum kontrollieren kannst, trotz negativer Folgen weiterkaufst oder das Shoppen immer mehr Raum in deinem Alltag einnimmt, kann zusätzlich psychotherapeutische oder suchtbezogene Beratung sinnvoll sein. Bei Schulden hilft eine anerkannte Schuldnerberatung mit der finanziellen Seite.

Und jetzt mal ehrlich

Was hast du zuletzt heimlich gekauft? Und vor wem hast du es versteckt?

Im nächsten Teil der Serie geht es um einen ganz anderen Beziehungsstatus: „Geld rinnt durch die Finger“, die Freundschaft Plus mit deinem Geld.

Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du, wie ich mit Geldmustern selbstständiger Frauen arbeite. Und in der Musteranalyse schauen wir gemeinsam, welcher Wunsch hinter deiner Affäre eigentlich steckt.

Quellen

Fenton-O’Creevy, Dibb & Furnham (2018): Antecedents and consequences of chronic impulsive buying: Can impulsive buying be understood as dysfunctional self-regulation? Psychology & Marketing

DAK: Kaufsucht erkennen: Ursachen, Symptome, Behandlung