Mal eine Frage: Wenn dein Geld ein Mensch wäre, würdest du mit ihm zusammenbleiben?
Die Frage klingt erst einmal albern. Aber wenn du einen Moment dabei bleibst, merkst du vielleicht, dass dir sofort ein Bild kommt. Ein Gefühl. Vielleicht sogar ein Satz, den dein Geld zu dir sagen würde.
Genau da wird es spannend.
Du hast eine Beziehung zu deinem Geld, ob du willst oder nicht
Wir reden über Geld meistens in Zahlen. Einnahmen, Ausgaben, Rücklagen. Aber wie du mit Geld umgehst, hat oft weniger mit Zahlen zu tun als mit Gefühlen. Mit Vertrauen. Mit der Angst, etwas zu verlieren. Mit der Frage, ob du dir überhaupt erlaubst, etwas zu genießen.
Das sind dieselben Themen, die auch in Liebesbeziehungen eine Rolle spielen. Deshalb hilft der Vergleich so gut.
Wenn Geld einen Beziehungsstatus hätte, stünde bei vielen von uns: „Es ist kompliziert.“
Welcher Beziehungsstatus ist deiner?
Lies die folgenden Beschreibungen einmal in Ruhe durch. Vielleicht erkennst du dich in einer wieder. Vielleicht auch in zweien.
Die Langzeitbeziehung. Ihr seid seit Jahren zusammen, alles läuft. Genug ist längst da. Trotzdem schaust du ständig nach, ob es noch da ist, obwohl du genau weißt, was auf dem Konto steht. Zehn Jahre zusammen, und du checkst immer noch sein Handy. Mehr dazu in „Angst, Geld zu verlieren“.
Das Hinterherlaufen. Du schaust aufs Handy wie bei einem Mann, der sich seit drei Tagen nicht gemeldet hat. Ist etwas reingekommen? Hat jemand gebucht? Egal wie viel kommt, es fühlt sich nie nach genug an. Mehr dazu in „Warum habe ich nie Geld?“.
Die Funkstille. Die Rechnung bleibt ungeöffnet. Die Banking-App auch. Lieber nicht wissen, dann ist es auch nicht echt. Ihr seid zusammen, aber ihr redet nicht miteinander. Mehr dazu in „Post nicht öffnen“.
Die Affäre. Wochenlang bist du treu, jede Ausgabe wird geprüft. Und dann, an einem Tag, kaufst du den Mantel. Die Tüte verschwindet hinten im Schrank. Du gehst nicht fremd, du gönnst dir etwas. Aber es fühlt sich genauso an.
Die Freundschaft Plus. Schön, wenn es da ist. Ein guter Monat, und alles fühlt sich leicht an. Aber festlegen? Lieber nicht. Es darf bleiben, nur bitte nicht ernst werden. Und dann ist es plötzlich wieder weg.
Frisch verliebt. Auch das gibt es. Du freust dich über dein Geld, du gibst es gern aus und lässt es auch mal liegen. Es fühlt sich leicht an. Wenn das dein Status ist: schön. Dann darfst du diesen Artikel mit einem Lächeln lesen.
Ein „gestörtes Verhältnis zu Geld“ ist meistens ein gelerntes
Wenn du dich in einem der Typen wiedererkennst, heißt das nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Und es heißt auch nicht unbedingt, dass du schlecht mit Geld umgehst. Viele Frauen, mit denen ich arbeite, haben ihre Finanzen gut im Griff. Es fühlt sich nur nicht so an.
Eine mögliche Erklärung: Die Beziehung zu Geld beginnt lange, bevor wir unser erstes eigenes Geld verdienen. Als Kind schaust du zu. Du merkst, ob am Küchentisch über Geld gestritten oder geschwiegen wird. Ob Geld Sicherheit bedeutet oder Sorge. Ob man sich etwas gönnen darf oder ob man es sich erst verdienen muss.
Du hast dir diese Beziehung vielleicht nicht ausgesucht. Möglicherweise hast du sie geerbt.
Wie solche frühen Erfahrungen heute weiterwirken können, beschreibe ich ausführlich in „Geld und kindheitliche Prägungen“. Und warum sich dieselben Muster oft auch in der Partnerschaft und im Umgang mit dir selbst zeigen, in „Beziehungsmuster erkennen“.
Was du heute schon ausprobieren kannst
Eine Übung, die ich auch in meiner Arbeit nutze, dauert nur ein paar Minuten. Du brauchst dafür nichts außer einem ruhigen Moment.
1. Stell dir dein Geld als Gestalt vor. Wie sieht es aus? Ist es groß oder klein, nah oder weit weg? Steht es vor dir, hinter dir, neben dir?
2. Wenn dieses Bild sprechen könnte: Was würde es zu dir sagen? Nimm den ersten Satz, der kommt, auch wenn er dir komisch vorkommt.
3. Wessen Stimme ist das? Klingt der Satz nach dir? Oder nach deiner Mutter, deinem Vater, deiner Oma?
Die dritte Frage ist oft die überraschendste. Manche Frauen hören darin eine Stimme, die sie seit Jahrzehnten nicht mehr bewusst wahrgenommen haben.
Kann man die Beziehung zu Geld verbessern?
Ich glaube ja. Aber vermutlich nicht mit noch einem Budget oder noch einer Tabelle. Zahlen sind wichtig, und eine gute Finanzplanung ersetzt dieser Artikel nicht. Nur verändert eine neue Tabelle selten das Gefühl, mit dem du sie öffnest.
Eine Beziehung verändert sich eher, wenn du verstehst, woher ein Muster kommt und wovor es dich einmal schützen wollte. Erst dann kannst du entscheiden, ob du es heute noch brauchst.
Häufige Fragen
Wie ist dein Verhältnis zu Geld? Woran merke ich das?
Am ehesten an deinen Gefühlen rund ums Geld, nicht an deinem Kontostand. Achte darauf, was in dir passiert, wenn du die Banking-App öffnest, eine Rechnung bekommst oder dir etwas gönnst. Ruhe, Anspannung, Vermeidung oder schlechtes Gewissen sagen oft mehr über deine Beziehung zu Geld als jede Zahl.
Bist du eine Finanzberaterin?
Nein. Ich sage dir nicht, wie du dein Geld anlegen oder einteilen sollst. Ich arbeite mit dem, was unter deinem Umgang mit Geld liegt: Prägungen, Gefühle und alte Sicherheitsstrategien.
Kann ich mehrere Beziehungsstatus gleichzeitig haben?
Ja, das ist sogar häufig. Viele Frauen erkennen sich in der Langzeitbeziehung und in der Affäre wieder: monatelang streng kontrollieren und dann plötzlich ein Kauf, der sich verboten anfühlt. Beides kann aus derselben Quelle kommen.
Und jetzt mal ehrlich
Welchen Beziehungsstatus habt ihr gerade, du und dein Geld? Und würdest du mit ihm zusammenbleiben?
Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du, wie ich mit Geldmustern selbstständiger Frauen arbeite. Und in der Musteranalyse schauen wir gemeinsam, welche Geschichte hinter deinem Beziehungsstatus steckt.
