Geld & Business

Warum habe ich nie Geld? Wenn du deinem Geld hinterherläufst

Von ca. 5 Minuten

Hand ruht auf einem Holztisch neben einem umgedrehten Smartphone, einem offenen leeren Notizbuch und einer Tasse Tee

Du schaust aufs Handy. Ist eine Zahlung reingekommen? Hat jemand gebucht? Hat die Kundin endlich die Rechnung bezahlt?

Nichts.

Eine Stunde später schaust du wieder. Wie bei einem Mann, der sich seit drei Tagen nicht gemeldet hat. Vielleicht ist ja inzwischen etwas passiert.

Das Hinterherlaufen

In meinem Artikel „Beziehung zu Geld verbessern“ vergleiche ich den Umgang mit Geld mit verschiedenen Beziehungstypen. Dieser hier heißt bei mir: das Hinterherlaufen.

Du wartest. Du hoffst. Du rennst. Und wenn es dann kommt, fühlt es sich trotzdem nicht nach genug an. Es ist schon wieder verplant, bevor es richtig angekommen ist.

Das Geld kommt. Aber du hast nie das Gefühl, dass es bleibt.

Erst einmal ehrlich: Manchmal ist wirklich zu wenig da

Bevor ich über Muster schreibe, ist mir eine Sache wichtig. Wenn du dich fragst „Warum habe ich nie Geld?“, kann die Antwort ganz handfest sein. Ein Einkommen, das nicht reicht. Gestiegene Kosten. Eine Trennung, nach der du plötzlich alles allein trägst. Schulden, die jeden Monat einen Teil auffressen.

Schau deshalb zuerst nüchtern auf deine Zahlen: Decken deine regelmäßigen Einnahmen die festen und unregelmäßigen Ausgaben, Steuern und bestehenden Schulden? Wenn nicht, geht es zuerst um eine praktische finanzielle Lösung und nicht um ein inneres Muster.

Dafür gibt es Unterstützung. Anerkannte Schuldnerberatungsstellen findest du zum Beispiel bei Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherzentralen. Kläre mögliche Kosten vorab. Woran du eine seriöse Beratung erkennst, erklärt die Verbraucherzentrale. Sich Hilfe zu holen, ist kein Scheitern. Das ist ein kluger Schritt.

Dieser Artikel ist für die andere Situation. Für die Frauen, bei denen eigentlich genug reinkommt, und es fühlt sich trotzdem immer nach zu wenig an.

Wenn genug reinkommt und trotzdem nie genug da ist

Viele selbstständige Frauen, mit denen ich arbeite, kennen das. Ein guter Monat. Und statt Erleichterung kommt sofort der Gedanke: Und wenn der nächste schlecht wird?

Also wird weitergerannt. Noch ein Angebot, noch ein Post, noch eine Anfrage beantwortet. Das Geld ist dabei weniger ein Ergebnis als ein Beweis: Ich bin noch nicht verloren.

Typische Sätze, die ich in dieser Situation höre:

„Sobald ich X verdiene, bin ich entspannt.“ Und dann verdienst du X, und die Zahl verschiebt sich.

„Ich kann mir keinen ruhigen Monat leisten.“

„Es ist immer irgendwas.“ Die Waschmaschine, die Steuer, die Klassenfahrt.

Der letzte Satz ist interessant. Denn natürlich ist immer irgendwas. Die Frage ist, ob dein System davon ausgeht, dass das Geld dafür reicht, oder davon, dass es knapp wird.

Woher das Gefühl, nie genug zu haben, kommen kann

Eine mögliche Erklärung: Manche von uns haben früh gelernt, dass Geld etwas ist, dem man hinterherlaufen muss. Dass es nicht einfach da ist, sondern erkämpft werden muss. Und dass man sich nie zu sicher sein darf.

Häufig begegnen mir in meiner Arbeit zwei Richtungen:

Geld war knapp. Vielleicht hast du als Kind gespürt, dass es am Monatsende eng wurde. Vielleicht hast du gelernt, nicht nach Dingen zu fragen. Ein solches Gefühl kann bleiben, auch wenn deine heutigen Zahlen etwas ganz anderes sagen.

Geld musste verdient werden. Vielleicht hast du gelernt, dass Anerkennung nur über Leistung kommt. Dann kann es sein, dass Geld sich nur sicher anfühlt, solange du dafür arbeitest. Sobald du stehen bleibst, wird es unruhig.

Oft kommen Sätze dazu, die du früh gehört hast. „Von nichts kommt nichts.“ „Wir haben es nicht so dicke.“ „Geld wächst nicht auf Bäumen.“ Wie solche Sätze wirken können, beschreibe ich in „Glaubenssätze über Geld“.

Wer früh gelernt hat, dem Geld hinterherzulaufen, merkt manchmal gar nicht, dass es längst bei ihr wohnt.

Was das Hinterherlaufen mit dir macht

Hinterherlaufen ist anstrengend. Du bist ständig auf dem Sprung, ständig in Erwartung. Und weil das Geld nie richtig ankommt, kommt auch die Ruhe nie richtig an.

Wenn du selbstständig bist und das Einkommen allein trägst, verstärkt sich das oft noch. Darüber schreibe ich in „Existenzangst als Selbstständige“.

Was du heute schon beobachten kannst

Du brauchst dafür keinen neuen Finanzplan. Nur ein bisschen Aufmerksamkeit.

Wann schaust du nach, ob etwas reingekommen ist? Und was fühlst du in dem Moment, in dem nichts gekommen ist?

Was passiert, wenn Geld kommt? Freust du dich, oder denkst du sofort an die nächste Lücke?

Wie viel wäre genug? Schreib eine konkrete Zahl auf. Und dann frag dich ehrlich: Würde ich mich bei dieser Zahl wirklich entspannen?

Die letzte Frage ist oft unbequem. Denn manchmal merkt man dabei, dass es gar keine Zahl gibt, die reichen würde.

Häufige Fragen

Warum habe ich immer zu wenig Geld, obwohl ich gut verdiene?

Das kann verschiedene Gründe haben, und ein nüchterner Blick auf Einnahmen und Ausgaben gehört immer dazu. Wenn die Zahlen eigentlich passen und das Gefühl trotzdem nicht, kann das an alten Erfahrungen liegen, in denen Geld knapp oder unsicher war. Dann lässt sich das Gefühl oft nicht allein durch mehr Einkommen beruhigen.

Was kann ich tun, wenn ich immer Angst habe, zu wenig Geld zu haben?

Ein erster Schritt ist, die Angst zu beobachten, statt gegen sie anzurennen: Wann taucht sie auf, und was sagt sie dir? Wenn sie dich stark belastet, deinen Schlaf raubt oder dich im Alltag einschränkt, sprich bitte auch mit einer Ärztin oder Psychotherapeutin. Ich bin keine Psychotherapeutin.

Bist du eine Finanzberaterin?

Nein. Ich sage dir nicht, wie du dein Geld einteilen oder mehr verdienen sollst. Ich arbeite mit dem, was unter deinem Umgang mit Geld liegt: Prägungen, Gefühle und alte Sicherheitsstrategien.

Und das nächste Mal, wenn du aufs Handy schaust

Vielleicht ist noch nichts gekommen. Vielleicht schon. Spannender ist die Frage, ob du in dem Moment wartest oder schon längst angekommen bist.

Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du, wie ich mit Geldmustern selbstständiger Frauen arbeite. Und in der Musteranalyse schauen wir gemeinsam, wem du eigentlich hinterherläufst.

Quellen

Verbraucherzentrale: Schuldnerberatungen – So erkennen Sie unseriöse Angebote