Geld & Business

Glaubenssätze über Geld: Warum eine Liste allein nicht reicht

Von ca. 4 Minuten

Altes, aufgeschlagenes Notizbuch mit fleckigen Seiten neben einigen Münzen und einem Füller

„Über Geld spricht man nicht.“ „Geld verdirbt den Charakter.“ „Wir können uns das nicht leisten.“ „Von nichts kommt nichts.“

Vielleicht hast du schon einmal eine Liste mit solchen Sätzen geschrieben. Sätze, die du als Kind gehört hast und die irgendwie hängen geblieben sind. Vielleicht hast du sogar positive Gegensätze daneben geschrieben: „Geld darf leicht zu mir kommen.“ „Ich bin es wert, gut zu verdienen.“

Und dann hast du gemerkt: Du kannst den neuen Satz aufschreiben, aussprechen, sogar täglich wiederholen. Glauben tust du ihn trotzdem nicht so richtig.

Ein Glaubenssatz ist mehr als ein Satz

Ich finde die Arbeit mit Glaubenssätzen wertvoll. Sie können ein guter Einstieg sein, weil sie sichtbar machen, was sonst unbemerkt mitläuft.

Nur ist ein Glaubenssatz selten einfach ein Satz, den jemand einmal gesagt hat.

Er ist eher die Zusammenfassung vieler Erfahrungen. Vielleicht hast du nicht nur gehört, dass Geld knapp ist. Vielleicht hast du gespürt, wie angespannt es zu Hause wurde, wenn eine Rechnung kam. Vielleicht hast du gesehen, wie deine Mutter beim Einkaufen gezögert hat. Vielleicht hast du gelernt, lieber gar nicht erst zu fragen.

Der Satz ist nur die Überschrift. Darunter liegt eine ganze Geschichte.

Und genau deshalb lässt er sich nicht einfach überschreiben.

Warum positive Sätze manchmal nicht greifen

Wenn du einen alten Glaubenssatz durch einen neuen ersetzen möchtest, arbeitest du vor allem mit dem Kopf. Das ist ein Anfang.

Aber wenn die alte Erfahrung tiefer sitzt, kann der neue Satz sich wie eine Behauptung anfühlen. Dein Kopf sagt: „Ich darf gut verdienen.“ Ein anderer Teil von dir antwortet leise: „Ach ja?“

Manchmal wird es dadurch sogar schwerer. Denn jetzt hast du nicht nur das alte Gefühl, sondern zusätzlich das Gefühl, es nicht richtig zu machen.

Glaubenssätze über Geld bei Frauen

Gerade bei Frauen begegnen mir Glaubenssätze über Geld besonders oft. Das wundert mich nicht.

Viele Frauen, mit denen ich arbeite, sind nicht nur mit Sätzen über Geld aufgewachsen, sondern auch mit Bildern davon, wer Geld verdient, wer darüber entscheidet und wie eine Frau mit Geld umgehen sollte. Bescheiden. Vernünftig. Nicht zu fordernd.

Das zeigt sich später an Stellen, die mit Geld auf den ersten Blick wenig zu tun haben. Beim Preis, den du nicht aussprichst. Bei der Rechnung, die du später schreibst als nötig. Bei dem Geld, das du für dein Business problemlos ausgibst, aber nur mit schlechtem Gewissen für dich selbst.

Woher deine Glaubenssätze kommen

In meinem Grundlagenartikel über kindheitliche Prägungen schreibe ich über vier Blickwinkel: Vertrauen, Versorgung, Autonomie und Leistung. Bei Geld spielen oft alle vier mit.

Ein Glaubenssatz wie „Geld muss man sich hart verdienen“ kann viel mit Leistung zu tun haben. „Es ist nie genug da“ eher mit Versorgung. „Darauf kann man sich nicht verlassen“ mit Vertrauen. Und „Über mein Geld entscheide ich nicht allein“ vielleicht mit Autonomie.

Ich würde daraus nie eine feste Zuordnung machen. Dasselbe Wort kann bei zwei Frauen eine völlig andere Geschichte erzählen. Aber diese Blickwinkel helfen, nicht nur auf den Satz zu schauen, sondern auf das, was darunter liegt.

Glaubenssätze auflösen: Was stattdessen hilft

Statt einen neuen Satz gegen den alten zu stellen, finde ich eine andere Frage spannender:

Wann ist dieser Satz einmal wahr gewesen?

Denn meistens war er das. Für das Kind von damals hat er etwas erklärt, geordnet, geschützt. Wenn du verstehst, wofür er gut war, musst du nicht mehr gegen ihn kämpfen. Dann kannst du prüfen, ob er heute noch stimmt.

Dafür arbeite ich im Gespräch, und manchmal auch mit Hypnose, wenn ein Satz so tief sitzt, dass der Kopf allein nicht hinkommt.

Das Ziel ist nicht, dass du am Ende nur noch positive Sätze über Geld denkst. Das Ziel ist, dass ein alter Satz nicht mehr automatisch entscheidet, was du dir erlaubst.

Drei Fragen an deinen Glaubenssatz

Nimm einen Satz über Geld, der dir besonders vertraut vorkommt. Und frag ihn einmal nicht, ob er stimmt, sondern:

Wessen Stimme höre ich, wenn ich diesen Satz denke?

Wann war dieser Satz einmal wahr? Für wen, in welcher Situation?

Was würde ich mir erlauben, wenn ich ihn nicht mehr glauben würde – und was macht mir daran Angst?

Gerade die letzte Frage ist oft spannend. Denn ein Glaubenssatz, der dich begrenzt, schützt dich manchmal auch vor etwas.

Typische Glaubenssätze über Geld, die mir begegnen

Ich nenne dir ein paar Beispiele. Nicht, damit du dich darin einordnest, sondern weil sie zeigen, wie unterschiedlich solche Sätze sein können:

„Über Geld spricht man nicht.“

„Geld muss man sich hart verdienen.“

„Wer viel Geld hat, hat es anderen weggenommen.“

„Für mich bleibt am Ende sowieso nichts übrig.“

„Wenn ich zu viel verlange, mag mich niemand mehr.“

„Eine Frau sollte bescheiden sein.“

Vielleicht erkennst du einen davon. Vielleicht hast du einen ganz eigenen. Spannend ist nicht der Satz selbst, sondern die Geschichte, die dazu gehört.

Häufige Fragen

Kann man Glaubenssätze über Geld wirklich auflösen?

Ja, aber selten, indem man nur einen neuen Satz wiederholt. Wenn du verstehst, woher ein Satz kommt und wofür er einmal gut war, verliert er oft seine Selbstverständlichkeit. Dann musst du nicht mehr gegen ihn kämpfen.

Ist das dasselbe wie Money Mindset?

Nein. Mir geht es nicht darum, positiver über Geld zu denken. Mir geht es darum zu verstehen, was unter deinem Umgang mit Geld liegt, damit ein alter Satz nicht mehr automatisch entscheidet.

Wenn du deine Sätze kennst, aber nichts sich ändert

Vielleicht hast du schon viel über deine Glaubenssätze gelernt und merkst trotzdem: Beim nächsten Preis, bei der nächsten Investition, beim nächsten Blick aufs Konto ist alles wieder da. Dann lies gern auch „Die Zahlen sind klar. Die Entscheidung triffst du trotzdem nicht.“

Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du mehr darüber, wie ich mit Geldmustern arbeite. Und in der Musteranalyse schauen wir gemeinsam, welche Geschichte unter deinen Sätzen liegt.