Es gibt keinen Plan B. Kein zweites Gehalt, das einen schwachen Monat auffängt. Keinen Partner, der sagt: Lass mal, diesen Monat übernehme ich.
Wenn du selbstständig bist und allein für dein Einkommen verantwortlich, kennst du dieses Gefühl vielleicht. Nicht als ständige Panik. Eher als leises Hintergrundrauschen, das immer mitläuft.
Solange es gut läuft, hörst du es kaum. Aber wenn eine Kundin absagt, eine Rechnung später kommt oder ein Monat ruhiger ist als geplant, wird es plötzlich laut.
Verantwortung ist real. Die Angst ist manchmal größer.
Ich möchte das gleich am Anfang klarstellen: Wenn alles an dir hängt, ist es vernünftig, auf deine Zahlen zu achten. Rücklagen zu bilden. Vorsichtig zu planen. Das ist keine Angst, die wir „wegmachen“ müssten. Das ist Verantwortung.
Spannend wird es für mich an einer anderen Stelle.
Nämlich dort, wo die Reaktion größer ist als der Anlass. Wo ein ruhiger Monat sich nicht wie ein ruhiger Monat anfühlt, sondern wie der Anfang vom Ende. Wo du nachts wach liegst, obwohl auf dem Konto genug für die nächsten Monate liegt.
Verantwortung fragt: Was muss ich tun? Existenzangst fragt: Was, wenn alles zusammenbricht?
Beides fühlt sich ähnlich an. Aber es sind zwei verschiedene Fragen.
Allein verantwortlich heißt oft auch: allein damit
Viele Frauen, mit denen ich arbeite, sind beruflich sehr stark. Sie treffen Entscheidungen, tragen Verantwortung, halten Kundinnen und manchmal eine ganze Familie zusammen.
Und gleichzeitig gibt es kaum jemanden, mit dem sie die Last wirklich teilen.
Über Geldsorgen spricht man nicht gern. Schon gar nicht, wenn man nach außen erfolgreich wirkt.
Und irgendwann merkst du, dass du nicht nur dein Business führst, sondern auch ständig gegen ein Gefühl anarbeitest.
Woher kennst du dieses Gefühl?
Manchmal lohnt sich an dieser Stelle ein Blick zurück. Nicht, weil jede Existenzangst automatisch aus der Kindheit stammt. Aber weil die Frage, ob genug da ist und ob du dich auf andere verlassen kannst, sehr früh beantwortet wird.
Vielleicht hast du als Kind erlebt, dass Geld knapp war und die Stimmung zu Hause davon abhing. Vielleicht gab es genug, aber niemand, auf den du dich verlassen konntest. Vielleicht hast du früh gelernt: Am Ende musst du es selbst schaffen.
In meinem Grundlagenartikel über kindheitliche Prägungen schreibe ich über die Blickwinkel Versorgung und Vertrauen. Genau hier können sie spannend werden.
Denn wer früh gelernt hat, dass man sich nur auf sich selbst verlassen kann, für den ist die Rolle der Alleinverdienerin nicht nur eine Lebenssituation. Sie kann sich anfühlen wie eine Bestätigung von etwas, das man schon sehr lange kennt.
Warum mehr Umsatz das Gefühl nicht immer löst
Die naheliegende Antwort auf Existenzangst in der Selbstständigkeit ist: mehr verdienen. Und manchmal ist das auch genau richtig. Wenn deine Einnahmen deine Kosten nicht decken, braucht dein Business zuerst einmal mehr Einnahmen.
Aber vielleicht kennst du auch das andere: Der Umsatz steigt, die Rücklage wächst, und die Angst wächst einfach mit. Aus „wenn ich erst 10.000 Euro habe“ wird „wenn ich erst sechs Monate Puffer habe“.
Dann versucht das Geld, eine Aufgabe zu erfüllen, die es nicht erfüllen kann. Es soll dir ein Gefühl von Sicherheit geben, das an einer ganz anderen Stelle fehlt.
Mehr darüber schreibe ich in „Warum sich genug Geld manchmal trotzdem nicht nach genug anfühlt“.
Was dein Nervensystem damit zu tun hat
Dein Kopf kann deine Zahlen sehr genau kennen. Er weiß, dass ein ruhiger Monat noch keine Katastrophe ist. Trotzdem reagiert dein Körper manchmal, als wäre er es: mit Enge, Unruhe, schlaflosen Nächten.
Für mich ist das kein Zeichen, dass du unvernünftig bist. Es zeigt nur, dass hier zwei verschiedene Ebenen sprechen. Und dass es nicht reicht, nur die eine zu beruhigen.
Welches Werkzeug ich dafür nutze, entscheide ich erst in der Sitzung, passend zu dem, was du gerade brauchst. Welche Methoden ich mitbringe, findest du auf meiner Seite Über mich.
Vielleicht darfst du die Last nicht nur tragen, sondern auch anschauen
Ich werde dir nicht sagen, dass du dir keine Sorgen machen sollst. Das wäre weder ehrlich noch hilfreich.
Aber vielleicht kannst du anfangen, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden: zwischen dem, was deine Situation gerade wirklich erfordert, und dem, was ein alter Teil von dir befürchtet.
Was davon ist heute, und was davon kennst du schon sehr lange?
Manchmal wird es schon leichter, wenn du die beiden nicht mehr verwechselst.
Drei Fragen, die du dir stellen kannst
Wenn du merkst, dass die Angst wieder lauter wird, probier einmal, kurz innezuhalten und dich zu fragen:
Was sagen meine Zahlen gerade tatsächlich? Nicht im schlimmsten Fall, sondern jetzt. Ist die Lage wirklich eng, hol dir dafür fachliche Hilfe: je nach Situation eine Steuerberatung, eine Schuldnerberatung oder eine unabhängige Finanzberatung.
Woher kenne ich dieses Gefühl? War es schon da, bevor ich selbstständig war?
Mit wem könnte ich darüber sprechen, ohne dass ich stark wirken muss?
Die dritte Frage ist für viele Frauen die schwierigste. Gerade wenn du es gewohnt bist, alles allein zu tragen.
Häufige Fragen
Ist Existenzangst als Selbstständige normal?
Unsicherheit gehört zur Selbstständigkeit, und eine gewisse Vorsicht ist sinnvoll. Wenn die Angst aber deutlich größer ist als der Anlass, dich nachts wach hält oder deine Entscheidungen bestimmt, obwohl genug da ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Hilft eine größere Rücklage gegen die Angst?
Manchmal ja. Wenn deine Rücklage zu klein ist, ist sie ein ganz praktisches Thema. Wenn die Angst aber mit jedem neuen Kontostand mitwächst, löst mehr Geld allein das Gefühl nicht immer.
Was hat meine Kindheit damit zu tun?
Vielleicht nichts. Vielleicht aber auch viel, wenn du früh gelernt hast, dass du dich nur auf dich selbst verlassen kannst oder dass Geld ein Grund für Sorge ist. Dann kann die Rolle der Alleinverdienerin etwas berühren, das du schon sehr lange kennst.
Wenn du dich darin wiedererkennst
Vielleicht bist du gerade genau an diesem Punkt: Dein Business läuft, du trägst die Verantwortung, und trotzdem fühlt sich jeder schwächere Monat bedrohlicher an, als er ist.
Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du mehr darüber, wie ich mit solchen Geldmustern arbeite. Und in der Musteranalyse können wir gemeinsam schauen, was unter deiner Angst eigentlich liegt.
