Kindheitliche Prägungen

Du hast dich längst entschieden. Warum fühlt es sich trotzdem falsch an?

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Es gibt Entscheidungen, über die wir tatsächlich lange nachdenken müssen. Wir wägen ab, sammeln Informationen, sprechen mit anderen Menschen und versuchen herauszufinden, welcher Weg für uns der richtige sein könnte.

Und dann gibt es diese anderen Situationen. Eigentlich weißt du längst, was du willst. Du hast die Entscheidung innerlich schon getroffen und solange sie nur in deinem Kopf existiert, fühlt sie sich erstaunlich klar an.

Du weißt, dass du dieses Angebot nicht mehr machen möchtest. Dass du deinen Preis erhöhen willst. Dass eine Zusammenarbeit für dich nicht mehr stimmt oder dass du endlich Nein sagen möchtest, obwohl jemand anderes fest mit deinem Ja rechnet. Vielleicht geht es auch um eine Beziehung, eine Investition oder einen beruflichen Schritt, von dem du schon lange spürst, dass er für dich richtig wäre.

Doch dann kommt der Moment, in dem aus deinem Gedanken eine tatsächliche Entscheidung werden soll. Du müsstest sie aussprechen, eine Nachricht schreiben, den Preis nennen, absagen oder buchen.

Und plötzlich beginnst du wieder abzuwägen. Dir fallen Gründe ein, warum gerade jetzt vielleicht doch nicht der richtige Zeitpunkt sein könnte. Du möchtest noch einmal mit jemandem darüber sprechen oder wartest lieber noch ein paar Tage.

Dabei hat sich an der eigentlichen Situation gar nichts verändert.

Was sich verändert hat, ist etwas anderes: Deine Entscheidung bekommt Konsequenzen.

Wenn sich die richtige Entscheidung plötzlich falsch anfühlt

Wir gehen häufig davon aus, dass eine Entscheidung, die wirklich zu uns passt, sich auch entsprechend anfühlen müsste. Klar vielleicht, ruhig oder sogar erleichternd.

Manchmal passiert aber etwas völlig anderes.

Du weißt sehr genau, was du möchtest, und trotzdem wirst du unruhig, sobald du danach handeln willst. Vielleicht bekommst du ein schlechtes Gewissen oder denkst plötzlich darüber nach, wie jemand anderes reagieren könnte. Ob du jemanden enttäuschst. Ob deine Entscheidung egoistisch wirken könnte.

Und weil sich all das unangenehm anfühlt, beginnen wir häufig nicht das Gefühl zu hinterfragen, sondern unsere Entscheidung.

Vielleicht bin ich doch noch nicht so weit. Vielleicht sollte ich noch warten. Vielleicht gibt es eine Lösung, bei der niemand enttäuscht ist und ich trotzdem bekomme, was ich möchte.

Natürlich ist es manchmal sinnvoll, eine Entscheidung noch einmal zu überprüfen. Aber manchmal überprüfen wir irgendwann gar nicht mehr, ob unsere Entscheidung richtig ist. Wir überprüfen, ob wir sie uns erlauben dürfen.

Was wir sehr früh über unseren eigenen Willen lernen

Als kleines Kind triffst du noch keine Entscheidungen darüber, welchen Beruf du ausüben oder wie du dein Geld investieren möchtest. Trotzdem machst du früh Erfahrungen damit, was passiert, wenn du etwas Eigenes willst.

Du möchtest noch nicht nach Hause gehen. Du willst das rote T-Shirt und nicht das blaue. Du möchtest etwas allein ausprobieren oder gerade nicht das tun, was ein Erwachsener von dir erwartet.

Für uns Erwachsene sind das Kleinigkeiten des Familienalltags. Für ein Kind sind es gleichzeitig Erfahrungen damit, welchen Raum der eigene Wille haben darf. Was passiert, wenn ich Nein sage? Darf ich etwas anderes wollen als die Menschen, von denen ich abhängig bin? Bleibt die Verbindung bestehen, wenn ich meinen eigenen Weg gehe?

Ein Kind analysiert das nicht. Es erlebt, was passiert.

Vielleicht durfte dein eigener Wille selbstverständlich da sein. Vielleicht hast du aber auch gelernt, dass Anpassung einfacher ist, weil dadurch weniger Konflikte entstehen. Möglicherweise wurde vieles für dich entschieden oder du hast früh sehr genau wahrgenommen, was andere von dir erwarten.

Dafür braucht es keine dramatische Kindheit. Oft sind es viele kleine Situationen, die sich wiederholen und aus denen irgendwann etwas entsteht, das sich nicht mehr wie eine Erfahrung anfühlt, sondern wie eine Selbstverständlichkeit.

Heute darfst du entscheiden – und trotzdem kann eine alte Regel mitreden

Als erwachsene Frau brauchst du niemanden mehr, der dir erlaubt, einen Preis zu erhöhen, einen Auftrag abzulehnen oder deine berufliche Richtung zu verändern. Du darfst Entscheidungen treffen, die andere Menschen nicht verstehen oder nicht gut finden.

Das weißt du vermutlich.

Und trotzdem kann eine eigene Entscheidung etwas in Bewegung bringen, das mit der eigentlichen Sache erstaunlich wenig zu tun hat. Plötzlich geht es bei der Preiserhöhung nicht mehr ausschließlich um eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern darum, was deine Kundinnen von dir denken könnten. Aus einem einfachen Nein wird eine Situation, in der du das Gefühl bekommst, dich erklären zu müssen.

Dann lautet die Frage nicht mehr nur: Was möchte ich?

Daneben taucht eine zweite auf: Was passiert, wenn ich wirklich danach handle?

Genau an solchen Stellen kann eine frühe Prägung rund um Autonomie heute noch eine Rolle spielen. Nicht, weil jede Frau, die Entscheidungen schwierig findet, automatisch ein Autonomiethema hat. Dasselbe Verhalten kann völlig unterschiedliche Gründe haben.

Deshalb interessiert mich weniger, dass jemand eine Entscheidung immer wieder aufschiebt. Spannend wird die Frage, was in ihr passiert, sobald sie wirklich danach handeln möchte.

Vielleicht fehlt dir gar keine Klarheit

Wenn du glaubst, dass du dich schlecht entscheiden kannst, suchst du wahrscheinlich nach mehr Klarheit. Du schreibst Pro-und-Contra-Listen, sprichst mit Freunden, holst dir noch eine Meinung oder schläfst eine weitere Nacht darüber.

Irgendwann kennst du aber jedes Pro und jedes Contra. Du weißt, welche Risiken bestehen und was du eigentlich möchtest. Trotzdem suchst du weiter nach dem einen Argument, das dafür sorgt, dass sich deine Entscheidung endlich hundertprozentig sicher anfühlt.

Vielleicht fehlt dir in diesem Moment gar keine weitere Information. Vielleicht war die Klarheit schon da, bevor du angefangen hast, sie wieder zu zerdenken.

Dann würde ich an einer anderen Stelle neugierig werden: Was genau wird unangenehm, sobald du dir vorstellst, wirklich nach deiner Entscheidung zu handeln?

Ist es die Vorstellung, jemanden zu enttäuschen? Die mögliche Reaktion? Das Gefühl, dich rechtfertigen zu müssen? Oder ist es einfach ungewohnt, etwas zu tun, für das es keinen besseren Grund gibt als: Ich möchte das so.

Ein unangenehmes Gefühl bedeutet nicht automatisch, dass du die falsche Entscheidung getroffen hast. Manchmal fühlt sich eine Entscheidung nur deshalb falsch an, weil sie nicht zu einer alten Regel passt, nach der du sehr lange gelebt hast.

Vielleicht ist deshalb nicht die nächste Pro-und-Contra-Liste entscheidend, sondern eine andere Unterscheidung:

Zweifle ich wirklich an meiner Entscheidung – oder macht mir das Gefühl Angst, das entsteht, weil ich sie getroffen habe?

Von außen können diese beiden Situationen fast gleich aussehen. Innerlich erzählen sie möglicherweise zwei vollkommen unterschiedliche Geschichten.

Vielleicht weißt du längst, was du willst. Und vielleicht ist genau das dein Punkt: Du verstehst nicht, warum du trotzdem immer wieder zurückweichst, sobald du wirklich danach handeln möchtest.

Wenn du dich darin erkennst und herausfinden möchtest, was dich an dieser Stelle tatsächlich zurückhält, dann lass uns gemeinsam hinschauen.