Geld & Business

Existenzangst im Alter: Wenn die Sorge um später dein Heute bestimmt

Von ca. 5 Minuten

Junger Olivenbaum im Keramiktopf auf einer Fensterbank im Morgenlicht

Es ist Sonntagabend. Eigentlich ein guter Tag. Und dann kommt dieser Gedanke, ganz unvermittelt: Was ist, wenn ich mal alt bin? Reicht das dann? Wer kümmert sich um mich, wenn ich nicht mehr arbeiten kann?

Du denkst an die Renteninformation, die irgendwo in einer Schublade liegt. An deine Mutter, an deine Großmutter. An Frauen, die im Alter jeden Euro umdrehen mussten.

Wenn du selbstständig bist und das Einkommen vielleicht allein trägst, ist dieser Gedanke kein seltener Gast. Bei manchen Frauen sitzt er immer mit am Tisch.

Zwei Fragen, die sich gleich anfühlen

Hinter der Angst um das Alter stecken oft zwei verschiedene Fragen. Beide verdienen eine ernsthafte Antwort.

Die Sachfrage: Wie ist meine Vorsorge tatsächlich aufgestellt? Was bekomme ich später, und was fehlt?

Die Gefühlsfrage: Warum lässt mich das Thema nicht los, selbst wenn ich etwas tue?

Viele Frauen beantworten nur eine davon. Die einen rechnen und rechnen und bleiben trotzdem unruhig. Die anderen schieben das Thema weg, weil es sich zu groß anfühlt, und dann wird die Angst gerade deshalb lauter.

Eine echte Lücke braucht einen Plan. Eine alte Unsicherheit braucht Aufmerksamkeit. Oft braucht es beides.

Die Sachfrage: Wo du neutrale Hilfe bekommst

Ich bin keine Finanzberaterin und gebe keine Empfehlungen zu Rente, Versicherungen oder Geldanlage. Aber ich kann dir sagen, wo du anfangen kannst, ohne gleich etwas verkauft zu bekommen:

Deutsche Rentenversicherung: Sie berät kostenlos und neutral, auch Selbstständige. Telefonisch über das Servicetelefon 0800 1000 4800 oder persönlich in einer Beratungsstelle.

Digitale Rentenübersicht: Ein kostenloses Portal der Deutschen Rentenversicherung, das gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge an einem Ort zusammenführt. So siehst du auf einen Blick, was schon da ist.

Unabhängige Finanzberatung: Wenn du darüber hinaus planen willst, achte darauf, dass die Beratung nicht an Provisionen hängt.

Wenn es eine echte Lücke gibt, ist das kein Gefühl, das wir wegcoachen. Dann ist es eine Aufgabe, und es ist gut, sie anzugehen.

Die Gefühlsfrage: Wenn die Angst bleibt

Manche Frauen haben ihre Zahlen geklärt und trotzdem keine Ruhe. Dann zeigt sich die Angst oft im Heute:

Du gönnst dir kaum etwas, weil jeder Euro für später sein könnte.

Du traust dich nicht, eine Pause zu machen oder weniger zu arbeiten, obwohl du merkst, dass du müde bist.

Du nimmst Aufträge an, die dir nicht guttun, weil Absagen sich gefährlich anfühlt.

Du denkst nachts über Szenarien nach, die vielleicht nie eintreten.

Das Paradoxe daran: Die Sorge um später kann dir genau die Kraft nehmen, mit der du heute gut für später sorgen könntest.

Woher die Unruhe kommen kann

In meinem Grundlagenartikel „Geld und kindheitliche Prägungen“ nenne ich einen Blickwinkel Versorgung: Wird genug für mich da sein? Und wer sorgt für mich, wenn ich es nicht mehr selbst kann?

Manche Frauen haben früh erlebt, wie unsicher Versorgung sein kann. Eine Mutter, die nach einer Trennung allein mit wenig Geld dastand. Eine Großmutter, die im Alter abhängig war. Ein Satz wie „Verlass dich nie auf einen Mann“ oder „Am Ende stehst du allein da“.

Solche Erfahrungen müssen dir nicht selbst passiert sein. Manchmal reicht es, sie als Kind mitzuerleben. Das kann eine Sorge prägen, die heute größer wirkt als deine eigene Lage.

Mehr darüber, warum ein volleres Konto nicht automatisch ein ruhigeres Gefühl bringt, schreibe ich in „Warum sich genug Geld manchmal trotzdem nicht nach genug anfühlt“. Und wenn du das Einkommen allein trägst, findest du vieles davon auch in „Wenn alles an dir hängt“.

Ein Sonntagabend-Plan

Wenn der Gedanke das nächste Mal kommt, versuch es mit diesen drei Schritten:

Aufschreiben, was du weißt. Und daneben, was du nicht weißt. Das Unbekannte ist oft größer im Kopf als auf dem Papier.

Einen konkreten nächsten Schritt festlegen. Zum Beispiel: diese Woche die Digitale Rentenübersicht anlegen oder einen Beratungstermin vereinbaren.

Fragen, wessen Angst das ist. Ist es deine eigene Erfahrung, oder klingt sie wie deine Mutter, deine Großmutter?

Wenn die Angst sich dabei vor allem nach einer Trennung so laut anfühlt, lies auch „Existenzangst nach einer Trennung“.

Häufige Fragen

Ist Existenzangst im Alter normal?

Eine Sorge um die Zukunft ist verständlich, gerade für Selbstständige, und sie kann dich zum Vorsorgen bringen. Schwierig wird es, wenn die Angst dein Leben heute einschränkt: wenn du dir nichts mehr gönnst, nicht mehr abschalten kannst oder nachts wach liegst.

Was tun gegen Existenzangst?

Zuerst die Fakten klären, mit neutraler Beratung. Dann das Gefühl anschauen: Woher kennst du diese Angst? Wann wird sie laut? Wenn die Angst dich sehr stark belastet oder du kaum noch schläfst, sprich bitte auch mit einer Ärztin oder Psychotherapeutin. Ich bin keine Psychotherapeutin.

Was ich dir wünsche

Dass du deine Zahlen kennst, und dass der Sonntagabend trotzdem wieder dir gehört.

Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du, wie ich mit Geldmustern selbstständiger Frauen arbeite. Und in der Musteranalyse schauen wir gemeinsam, was unter deiner Sorge liegt, und was davon wirklich zu dir gehört.

Quellen

Deutsche Rentenversicherung: Informationen für Selbstständige

Digitale Rentenübersicht, bereitgestellt von der Deutschen Rentenversicherung Bund

Abgerufen am 7. Oktober 2026.