Geld & Business

Warum sich genug Geld manchmal trotzdem nicht nach genug anfühlt

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Es gibt einen Unterschied zwischen „Ich habe genug Geld“ und „Es fühlt sich an, als hätte ich genug Geld.“

Auf dem Papier kann alles völlig in Ordnung sein. Die Rechnungen sind bezahlt, auf dem Konto liegt Geld und vielleicht gibt es sogar Rücklagen. Du weißt, dass du dir das Wochenende, die neue Jacke oder die Investition in dein Business leisten könntest.

Und trotzdem zögerst du.

Vielleicht schaust du noch einmal aufs Konto. Rechnest kurz nach. Überlegst, was diesen Monat noch kommen könnte. Und obwohl du fünf Minuten später wieder bei demselben Ergebnis landest – Ja, ich kann mir das leisten – fühlt sich die Entscheidung noch immer nicht selbstverständlich an.

Genau das finde ich spannend. Denn wenn die Zahlen sagen, dass genug da ist, aber in dir trotzdem etwas auf die Bremse tritt, lohnt es sich manchmal, nicht noch einmal zu rechnen, sondern eine andere Frage zu stellen:

Wann fühlt sich genug für dich eigentlich wirklich nach genug an?

Geld lässt sich zählen. Sicherheit nicht.

Gerade wenn du selbstständig bist, ist es vollkommen sinnvoll, deine Zahlen zu kennen. Umsätze schwanken, Kosten müssen bezahlt werden und niemand überweist dir am Monatsende automatisch dasselbe Gehalt. Rücklagen zu bilden und vorausschauend zu planen ist deshalb erst einmal nichts, was wir „wegcoachen“ müssten.

Mich interessiert vielmehr der Moment, in dem die Zahlen eigentlich Entwarnung geben könnten – und es trotzdem nicht tun.

Ich erlebe Frauen, die gutes Geld verdienen und trotzdem bei einer privaten Ausgabe lange überlegen. Andere können Geld problemlos für ihr Business ausgeben, aber kaum für sich selbst. Wieder andere haben Rücklagen und denken trotzdem sehr viel darüber nach, was passieren könnte, wenn irgendwann weniger hereinkommt.

Von außen könnte man all das schnell unter „Angst, Geld auszugeben“ zusammenfassen. Mir wäre das viel zu einfach. Denn hinter demselben Verhalten können vollkommen unterschiedliche Geschichten liegen.

Was bedeutet Geld eigentlich für dich?

Wir sprechen über Geld oft so, als wäre es einfach eine Zahl. Aber Geld kann in unserem Leben für sehr unterschiedliche Dinge stehen. Für Freiheit. Unabhängigkeit. Möglichkeiten. Erfolg. Anerkennung. Kontrolle. Versorgung. Und natürlich auch für Sicherheit.

Deshalb finde ich es interessanter, nicht nur zu fragen, wie jemand mit Geld umgeht, sondern was Geld innerlich für diesen Menschen bedeutet.

Wenn dein Kontostand sinkt, weil du etwas Größeres bezahlt hast – was passiert dann? Denkst du: Okay, dafür war das Geld da? Oder entsteht sofort der Wunsch, die Summe möglichst schnell wieder aufzufüllen?

Kannst du eine Ausgabe genießen oder rechnest du innerlich noch drei Tage später? Und was passiert, wenn ein Monat in deinem Business einmal schlechter läuft als der vorherige? Ist das eine Zahl, auf die du reagierst und deine Planung anpasst? Oder fühlt es sich sofort viel größer an?

Das sind kleine Unterschiede. Aber genau darin steckt häufig die spannendere Information.

Vielleicht hast du früh etwas über „genug“ gelernt

Wenn wir uns mit kindheitlichen Prägungen beschäftigen, schauen wir unter anderem darauf, welche Erfahrungen wir mit Versorgung und Vertrauen gemacht haben.

Dabei muss es überhaupt nicht darum gehen, ob in deiner Familie früher viel oder wenig Geld vorhanden war. Ein Kind erlebt Versorgung viel grundlegender: Ist für mich da, was ich brauche? Darf ich etwas brauchen? Kann ich darauf vertrauen, dass wieder etwas kommt? Und wie gehen die Menschen um mich herum selbst mit Sicherheit, Mangel oder Unsicherheit um?

Solche Erfahrungen werden nicht automatisch zu einem späteren Geldthema. Und ich würde aus deinem heutigen Umgang mit Geld niemals einfach auf eine bestimmte Erfahrung in deiner Kindheit schließen.

Aber manchmal lohnt sich dieser Blick.

Wenn du genauer verstehen möchtest, was ich mit kindheitlichen Prägungen meine und welche Rolle Vertrauen, Versorgung, Autonomie und Leistung dabei spielen können, findest du dazu meinen ausführlichen Grundlagenartikel über kindheitliche Prägungen.

Zwei Konten können gleich aussehen und sich vollkommen unterschiedlich anfühlen

Stell dir zwei selbstständige Frauen vor. Beide haben 20.000 Euro Rücklagen.

Die eine empfindet diese Summe als beruhigend. Sie weiß, warum das Geld dort liegt, welche Kosten sie hat und wann sie darauf zurückgreifen würde. Wenn sie 2.000 Euro investiert, prüft sie die Entscheidung – und wenn sie sinnvoll ist, gibt sie das Geld aus.

Die andere hat ebenfalls 20.000 Euro. Nur fühlt sich die Summe nicht wirklich sicher an.

20.000 sind gut. Aber 25.000 wären besser. Bei 25.000 wären 30.000 beruhigender. Und sobald sie Geld ausgibt, entsteht der Wunsch, möglichst schnell wieder auf den vorherigen Stand zurückzukommen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, welche der beiden Frauen „richtig“ mit Geld umgeht. Mich interessiert etwas anderes:

Gibt es für dich überhaupt einen Punkt, an dem es sich nach genug anfühlen darf?

Denn wenn sich diese Grenze mit jedem neuen Kontostand verschiebt, lösen weitere 5.000 Euro möglicherweise nicht das, was du dir von ihnen versprichst.

Mehr verdienen und sich sicherer fühlen sind nicht dasselbe

Das ist gerade in der Selbstständigkeit interessant.

Natürlich kann mehr Umsatz ganz reale Probleme lösen. Wenn deine Einnahmen deine Kosten nicht decken, brauchen wir daraus kein psychologisches Thema zu machen. Dann braucht dein Business zunächst einmal mehr Einnahmen.

Aber wenn genug da ist und das Gefühl von Sicherheit trotzdem nicht mitwächst, lohnt sich ein genauerer Blick.

Vielleicht merkst du dann, dass du gar nicht nur versuchst, mehr Geld zu verdienen. Vielleicht versuchst du, mit Geld ein Gefühl herzustellen.

Und das kann erklären, warum ein bestimmter Kontostand für einen kurzen Moment beruhigt – bis die nächste Unsicherheit auftaucht und die Grenze wieder ein Stück nach oben wandert.

Dann wäre die Frage nicht mehr nur: Wie kann ich mehr verdienen? Sondern auch:

Was müsste passieren, damit ich dem, was da ist, überhaupt vertrauen kann?

Es geht nicht darum, plötzlich sorglos mit Geld umzugehen

Wenn ich über solche Muster spreche, möchte ich aus einer finanziell verantwortungsvollen Frau keine machen, die morgen ihre Rücklagen auf den Kopf haut, um zu beweisen, dass sie jetzt „loslassen kann“.

Darum geht es überhaupt nicht.

Du darfst rechnen. Du darfst sparen. Du darfst Rücklagen lieben. Du darfst bei einer großen Investition dreimal hinschauen und entscheiden, dass sie dir zu teuer ist.

Spannend wird es nur, wenn du bemerkst, dass keine Zahl dich wirklich beruhigt. Dann können wir aufhören, nur die Zahl zu betrachten, und neugierig darauf werden, was darunter passiert.

Vielleicht verändert sich dein Umgang mit Geld am Ende gar nicht spektakulär. Vielleicht schaust du einfach seltener aufs Konto. Vielleicht kaufst du etwas, das du dir leisten kannst, ohne es anschließend innerlich rechtfertigen zu müssen. Vielleicht investierst du in dein Business und merkst, dass das sinkende Guthaben nicht automatisch bedeutet, dass deine Sicherheit verschwindet.

Oder du entscheidest dich gegen eine Ausgabe – aber diesmal, weil du sie wirklich nicht möchtest und nicht, weil sich Geldausgeben grundsätzlich gefährlich anfühlt.

Für mich liegt genau darin der Unterschied. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viel oder möglichst locker Geld auszugeben.

Es geht darum, dass Geld wieder Geld sein darf – und nicht ständig beweisen muss, dass du sicher bist.

Wenn du dich darin wiedererkennst

Vielleicht ist auf deinem Konto längst genug da und trotzdem merkst du, dass Geld viel mehr Raum in deinem Kopf einnimmt, als du eigentlich möchtest. Dann können wir gemeinsam anschauen, was hinter diesem Gefühl steckt – ohne vorher festzulegen, welche Erklärung dazu passen muss.

Auf meiner Seite Geld & Business erfährst du mehr darüber, wie ich mit solchen Geldmustern arbeite.